Neues aus Sportdeutschland

„Mit mehr Sport als Prävention könnten wir sehr viel Geld einsparen“

Der DOSB hat zehn Forderungen an die neue Bundesregierung aufgestellt – und wir untermauern diese in den Wochen des Bundestagswahlkampfs und der anschließenden Koalitionsverhandlungen mit der Unterstützung von Testimonials aus dem Leistungssport, um anhand von Beispielen aus der Praxis deutlich zu machen, was diese Forderungen dem organisierten Sport bedeuten. Der Link zu allen zehn Forderungen findet sich am Textende. In Folge 4 geht es um Transformation und Teilhabe.  

Wir alle kennen und schätzen ihn als strahlenden Gewinner paralympischer Medaillen. Aber bevor Niko Kappel, seit 2018 Profiathlet, zu einem der weltbesten Kugelstoßer heranreifte, spielte er Fußball. Und in dieser Zeit beim FC Welzheim lernte er Lektionen, die ihn heute dazu antreiben, für den gesellschaftlichen Stellenwert des Sports zu kämpfen, wann immer er dazu Gelegenheit bekommt. „Sport ist so viel mehr als körperliche Aktivität. Man lernt, in einem Team zu agieren und seinen Platz zu finden. Man lernt respektvollen Umgang und Rücksichtnahme, Disziplin und Durchhaltevermögen. Man lernt zu verlieren und, mindestens ebenso entscheidend, wie man sich als Gewinner korrekt verhält. All das ist so unfassbar wichtig, dass man die Rolle des Sports für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gar nicht hoch genug bewerten kann“, sagt der 29-Jährige, der für den VfB Stuttgart startet und als dessen Markenbotschafter fungiert. 

Man könnte diesen Text hier fast beenden, denn inhaltlich bräuchte es kaum mehr zu wissen, um die Forderungen des Sports an die Politik unterstützen zu können. Dann jedoch würden die Gedanken, die Niko Kappel sich über Themen wie Inklusion und Integration macht, auf der Strecke bleiben, und das wäre schade. Schließlich ist er aus seiner eigenen Erfahrung heraus Experte für diese Bereiche, in denen der Sport dem Rest der Gesellschaft oft mehrere Schritte voraus ist. Seine Kleinwüchsigkeit hat auch deshalb für seine Entwicklung nie eine herausgehobene Rolle gespielt, weil sie im Verein nicht thematisiert wurde. „Ich habe im Fußball ganz selbstverständlich gelernt, dass es mit meinen 1,41 Metern Körperlänge wenig Sinn ergibt, wenn ich bei Ecken im Sechzehnmeterraum rumtobe. Stattdessen habe ich für den langen Innenverteidiger abgesichert, der die Kopfballduelle gewinnen konnte. Inklusion war damals noch kein Thema, ich habe diese Rolle bekommen, weil ich dort ein Faktor für die Mannschaft war. Ich wurde behandelt wie alle anderen auch, ich wurde akzeptiert, nicht nur geduldet, und das hat der Ausbildung meines Selbstvertrauens enorm geholfen“, erinnert er sich. 

In vollem Umfang den integrativen Charakter des Sports zu verstehen, das sei ihm zwar erst im Erwachsenenalter gelungen. „Aber schon als Kind spürst du, dass du dich mit anderen auch ohne Worte verstehen kannst. Du kennst dein Gegenüber nicht, weißt nichts über dessen Herkunft, Ansichten, Fähigkeiten, aber wenn man sich dann den Ball hin- und her spielt, spricht man schon dieselbe Sprache“, sagt er. Als Teenager habe ihn vor allem beeindruckt, wie selbstverständlich unterschiedliche Kulturen miteinander auskommen können, wenn sie sich hinter dem gemeinsamen Ziel versammeln, einen Wettkampf zu gewinnen. „Wir hatten Jungs aus vielen unterschiedlichen Nationen im Team, waren multikulturell. Aber das Schöne war, dass das wirklich niemanden interessiert hat, wo jemand herkam. Es zählte nur, dass jeder sich ins Team einbringen konnte. Dadurch sind Freundschaften auf einer ganz anderen Ebene entstanden.“

Programme wie „Integration durch Sport“ oder „Demokratie leben!“, die zur Integration, Demokratieförderung und zum Abbau von Diskriminierung beitragen, bedarfsgerecht zu fördern und deren finanzielle und inhaltliche Weiterentwicklung zu unterstützen, hält Niko Kappel angesichts seiner Erfahrungen für unerlässlich. Gleiches gilt für die Forderung, bestehende Sportstätten barrierefrei zu machen und bei Neubauten die Barrierefreiheit ebenso selbstverständlich mitzudenken. „Dabei muss es nicht immer die große Lösung sein, auch kleine Schritte wie zum Beispiel der Bau einer Rampe helfen und sind manchmal sogar besser, um die Akzeptanz von außen zu erhöhen. Wichtig ist nur, dass die Barrierefreiheit immer mitgedacht wird.” Gleiches gelte bei Webseiten für Blinde oder Videos für Gehörlose. „Es braucht einfache Lösungen auch für kleine Vereine, die zum Beispiel mittels KI ihre Angebote für jeden Nutzer bedarfsgerecht übertragen könnten.”

Die Politik dürfe es gern etwas mehr wertschätzen, dass in diesen Bereichen im Sport so viel entwickelt wird, sagt Niko Kappel – und das nicht aus der Position des notorischen Nörglers, sondern im Bewusstsein, mit welchen Schwierigkeiten sich politische Basisarbeit oft konfrontiert sieht. Zehn Jahre lang saß er für die CDU im Gemeinderat seiner Heimat Welzheim, ehe er Ende 2024 mit seiner Freundin nach Waiblingen zog. „Ich bin politisch sehr interessiert, hatte dank meiner Ausbildung als Bankkaufmann auch viel mit Haushalts- und Finanzpolitik zu tun. Fragen zu stellen und mitdiskutieren halte ich für sehr wichtig.“ 

“Rise for Empathy: Ursachen erkennen – benennen – verbannen“

Mit einer Tanzdemo vor dem Brandenburger Tor in Berlin macht One Billion Rising jährlich am 14. Februar eindrucksvoll auf die weit verbreitete Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen* und Mädchen* aufmerksam – und ruft dazu auf, nicht länger zu schweigen, sondern gemeinsam für Gerechtigkeit einzutreten. Die Tanzdemo in Deutschland wird von Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, als Schirmfrau unterstützt.  

Auch DOSB und dsj schlossen sich ihr an und setzten ein klares Zeichen gegen Gewalt an Mädchen* und Frauen* - sowohl auf der Tanzdemo vor Ort in Berlin als auch durch die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema in den eigenen Strukturen. 

„Wegbegleiter*innen“ im Sport: Geschichten vom Ankommen

„Wegbegleiter*innen“ rückt nun die persönlichen Geschichten der Menschen in den Mittelpunkt, die durch „Willkommen im Sport“ und ihre Vereine einen Weg in Deutschland gefunden haben. Es zeigt, wie Sport Brücken zur gesellschaftlichen Teilhabe bauen kann – und wie individuell und besonders diese Wege sind.

Komm in den Sport, finde dein Zuhause

Während zu Beginn vor allem niedrigschwellige Angebote im Fokus von „Willkommen im Sport“ standen, rückte zunehmend die nachhaltige Einbindung von Menschen mit Fluchterfahrung in Vereinsstrukturen in den Mittelpunkt. Ziel war es, ihnen nicht nur den Zugang zum Sport zu ermöglichen, sondern auch ehrenamtliches Engagement zu fördern. Sport wird als Ort der Begegnung und des gegenseitigen Lernens verstanden – ein Gedanke, den die „Wegbegleiter*innen“ durch bewegende Porträts lebendig machen.

 

Deutscher Sportstättentag: Breite Allianz fordert Bundesmilliarde

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund sowie die IAKS Deutschland laden am 29. Oktober 2025 zum dritten Deutschen Sportstättentag im Rahmen der FSB-Messe in Köln ein. Im Fokus steht dabei die dringende Notwendigkeit, Sportstätten als Schlüssel für Gesundheit, sozialen Zusammenhalt und Klimafreundlichkeit zu fördern.

Der DOSB, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und die IAKS Deutschland fordern gemeinsam ein Bundesprogramm, das jährlich mindestens eine Milliarde Euro für den Neubau, die Sanierung, die Modernisierung und die Dekarbonisierung von Sportstätten bereitstellt - idealerweise ergänzt durch eine gleichwertige Förderung der Bundesländer.

Völlig losgelöst: Wie die Eishockeyfrauen die Qualifikation für die Winterspiele 2026 schafften

Die Arbeit von drei Jahren, sie hätte innerhalb weniger Sekunden ausgelöscht gewesen sein können. Als am Sonntagabend in Bremerhaven beide Mannschaften feierten - die deutschen Eishockeyfrauen, weil sie das Ticket für die Olympischen Winterspiele 2026 gelöst zu haben glaubten, die Gegnerinnen aus Ungarn, weil sie dachten, den Last-Second-Ausgleich erzielt und die Entscheidung aufgeschoben zu haben - da wurde wieder einmal deutlich, warum wir alle den Sport so sehr lieben, wie wir es tun: Weil er Emotionen freisetzt und Geschichten schreibt, die wir im „normalen“ Alltag selten erleben. 

Daria Gleißner stand, als die Spieluhr dem Ende der regulären 60 Minuten im letzten Spiel des Qualifikationsturniers entgegentickte, hinter der Bande. Nachdem sowohl Deutschland als auch Ungarn ihre Partien gegen Österreich und die Slowakei gewonnen hatten, wurde das direkte Duell zum Endspiel um das Olympiaticket, das nur der Sieger lösen würde. „Ich habe gesehen, wie die Uhr auf 0:00 sprang, dann habe ich die Schlusssirene gehört. Als ich gerade aufs Eis sprang, sah ich, wie die eine Schiedsrichterin ein Tor anzeigt. Aber ich war mir sicher, dass es nicht zählen würde, denn die Zeit war ja abgelaufen“, sagt die Verteidigerin, die in der DFEL für den ECDC Memmingen aufläuft, am Tag nach dem Nervenkrimi. Dennoch dauerte es einige Minuten, bis das Schiedsrichterinnen-Gespann den 2:1-Sieg der deutschen Auswahl als endgültig erklärte - und alle Dämme brechen durften. 

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