Neues aus Sportdeutschland

„Lisas Literatur-Likes“: Inspiration zum Abschalten vom Dauerstress

Das hat man nun davon, dass man mit viel Liebe von seinem schönsten Hobby zu erzählen weiß! Es war Mitte Dezember auf einer Talkrunde im mittelhessischen Lich. Lisa Mayer war eingeladen, um über Sportförderung im Allgemeinen und die Nachwirkungen ihrer olympischen Bronzemedaille von Paris 2024 mit der 4x100-Meter-Sprintstaffel im Besonderen zu referieren. Doch als sie mit demselben Leuchten auf dem Gesicht auch über ihre Leidenschaft zum Lesen sprach, stand unüberwindbar diese Idee im Raum: Dass die 28-Jährige ihre Liebe zur Literatur teilen sollte, zumindest mit Sportdeutschland. Und genau das tun wir nun: An jedem letzten Dienstag eines Monats erscheint künftig auf der Homepage des DOSB und im Newsletter „DOSB-Presse“ die Kolumne „Lisas Literatur-Likes“. Den Anfang macht im Januar 2025 der Thriller „Sturm“ von Uwe Laub.

Wobei das alles natürlich viel früher angefangen hat – und überraschenderweise dann doch deutlich später, als man annehmen würde. Denn eine Leseratte, die schon in der Kindheit alles verschlungen hätte, was ihr in gedruckter Form in die Hände fiel, war die Ausnahmesprinterin nie. „Ich habe als Kind eher Kassetten gehört und dann über ,Die Drei ???‘ den Weg zum Lesen gefunden. Aber weder wurde mir besonders viel vorgelesen, noch habe ich selbst großen Spaß am Lesen gehabt, es war immer eher eine Überwindung“, sagt sie rückblickend.

Selbst nach dem Abitur, das sie 2014 am Weidig-Gymnasium in Butzbach bestand, war der Weg zur Literatur noch nicht freigelegt. „Ich dachte bis einen Tag vor Einschreibeschluss, dass ich Soziale Arbeit studieren würde, bis mir starke Zweifel kamen, ob das wirklich passen würde. Und da ich in der Schule Deutsch als Leistungsfach hatte, kam mir der Gedanke, dass ich Germanistik als Basis wählen könnte, von der aus mir viele Möglichkeiten offenstehen würden“, sagt sie. Also ging es ans Frankfurter Goethe-Institut, wo sie sich für Germanistik und im Nebenfach für Humangeographie einschrieb – und das Studium 2019 mit ihrer Bachelorarbeit zum Thema „Der imperfekte Mensch“ am Beispiel von Büchners „Lenz“ und dem „Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann abschloss.

Dort, so erinnert sie sich, entflammte die Liebe zum Lesen, weil sie zu spüren begann, dass sie mit einem Buch ganz anders abzuschalten in der Lage ist als vor einem Bildschirm. „Ich bin nicht so der Film- oder Seriengucker. Lesen entspannt mich auf eine ganz andere Weise.“ In andere Welten einzutauchen, sich auch Zeit dafür zu nehmen, sich diese in ihrer Fantasie blumig auszugestalten, das sei für ihren Kopf förderlich und wohltuend – auch wenn es bedeute, dass von der Sprinterin, die sie auf der Tartanbahn ist, beim Lesen wenig übrigbleibt. „Ich lese langsam, dafür aber sehr genau.“ Und vier Bücher pro Monat im Schnitt ist ja auch keine so schlechte Bilanz.

Auf die Frage nach ihrem Lieblingsgenre kann Lisa Mayer keine klare Antwort geben. Eingestiegen sei sie mit Krimis, inspiriert durch ihre Mutter, die nichts anderes lese; von Charlotte Link, die sie als Lieblingsautorin bezeichnet, liest sie bis heute jede Neuerscheinung, auch Nele Neuhaus schätzt sie angesichts der Bindung von deren Werken zu der Region, in der sie selbst lebt. Über ein Geschenk habe sie sich für Romane geöffnet, Christian Hubers „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ sei eine Art Erweckungserlebnis gewesen, „das hat mich total abgeholt“. Seitdem ist sie offen für alles, verschlingt Sportbiografien (absoluter Favorit: „Open“ von Andre Agassi) ebenso wie Thriller. „Nur zu Science-Fiction habe ich noch keinen Zugang gefunden.“

Lisa Mayer, die überwiegend auf Deutsch, aber auch auf Englisch liest, kauft ihre Bücher ebenso gern selbst, wie sie welche verschenkt oder geschenkt bekommt. Wenn sie in eine Buchhandlung geht, sind ansprechende Cover ein wichtiger Impuls für die Kaufentscheidung. Wenn sie dann auch noch der Klappentext einfängt, ist es meist ein Match. „Ich bin aber auch schon von Büchern positiv überrascht worden, die ich mir wegen des Covers nie selbst ausgesucht hätte“, sagt sie. Gegen einen E-Book-Reader habe sie sich lange gesträubt, ist mit ihrem Tolino nun aber durchaus glücklich, „weil es auf Reisen einfach praktischer ist“. Die Haptik eines gedruckten Buches zieht sie trotzdem weiterhin vor; auch gegenüber Hörbüchern, „die man oft nur so nebenbei laufen hat und sich dann nicht richtig darauf einlässt.“

Gelesen wird überall da, wo sie freie Zeit verbringt. „Ich kann auch lesen, wenn es um mich herum laut und wuselig ist, gehe aber gern zum Lesen in ein ruhiges Café.“ Zu Hause sind das Sofa oder im Sommer der Liegestuhl bevorzugte Leseorte. Und natürlich das Bett. „Ich lese so gut wie jeden Abend vorm Schlafengehen“, sagt sie – und freut sich darüber, wenn sie, wie zuletzt im Trainingslager auf La Palma, wo sie bis zum 19. Januar an ihrer Form für die Hallensaison arbeitete, eine Zimmerpartnerin wie Sophia Junk hat, die ihre Leidenschaft teilt. In Sportkreisen ist das nicht allzu oft der Fall, „deutlich mehr bei Frauen als bei Männern“, sagt sie.

Vielleicht trägt ihre Kolumne nun dazu bei, dieses Verhältnis zu verändern und vor allem die Leidenschaft fürs Lesen, die unter jungen Menschen durchaus eine Renaissance erfährt, auch im Team D und bei allen, die ein Teil dessen werden wollen, zu verstärken. „Ich bin fest davon überzeugt, dass es gut für den Kopf ist, sich mit vielen verschiedenen Dingen zu beschäftigen. Lesen ist dafür ein sehr geeignetes Mittel“, sagt Lisa Mayer, die allerdings zugibt, auch nicht zu jeder Zeit die Muße für ein Buch zu finden. „Nach einer intensiven Trainingseinheit ist Lesen das Letzte, was ich will, denn dafür braucht es mentale Energie, die man nicht immer aufbringen kann. Richtig viel lese ich nur an Tagen, an denen das Nervensystem nicht so belastet ist.“

Sie selbst hofft, über die Beschäftigung mit ihrer Kolumne Zugang zu Autoren zu bekommen, die ihr bislang unbekannt sind, und auch mit einem neuen Blickwinkel an Literatur herangehen zu können. Einen Literaturkreis zu gründen, in dem intensiv gemeinsam über Leseerfahrungen diskutiert wird, ist etwas, das sie schon länger erwägt. „Bislang beschränkt sich das darauf, dass ich mit Freundinnen Bücher tausche und man dann kurz darüber redet.“

Nach der aktiven Karriere, die in diesem Jahr zunächst die Hallensaison mit dem Höhepunkt EM in Apeldoorn (Niederlande) Anfang März und im September dann die Freiluft-WM in Tokio (Japan) als Saisonhighlight bereithält, eine berufliche Herausforderung im Literaturbereich zu suchen, kann sie sich aktuell nicht vorstellen, „dafür ist die Liebe zum Sport noch ein kleines Bisschen größer.“ Irgendwann ein eigenes Buch zu schreiben, das ist für Lisa Mayer noch kein Thema. Jetzt startet sie erst einmal mit ihrer eigenen Kolumne, und das ist ein toller erster Schritt.

NS-Aufarbeitung im DOSB und für den Sport

DOSB stößt kritische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in NOKs und DSB an 

Gemeinsam mit den Sporthistoriker*innen, Dr. Jutta Braun (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) und Dr. Berno Bahro (Department für Sport- und Gesundheitswissenschaft der Universität Potsdam) - beide seit Langem mit der Geschichte und Vermittlung der Gesellschaftsgeschichte des Sports in Diktaturen befasst - sollen sowohl die formale NS-Belastung (NSDAP-Mitgliedschaften) sowie materielle Belastungen, die sich aus der Verstrickung in der Diktatur z. B. „Arisierungs“- oder andere Verfolgungsmaßnahmen gegen jüdische Mitbürger*innen ergeben, aufgearbeitet und 2026 in einer Monografie publiziert werden. Im Fokus stehen Persönlichkeiten, die nach 1945 leitende Funktionen im deutschen Sport innehatten, einbezogen werden hierbei die Inhaber*innen von Ämtern in Präsidien und Geschäftsstellen des DSB seit 1950, die Mitglieder des NOK für Deutschland seit 1949 sowie auch die Mitglieder des NOK der DDR seit 1951. Durch die Vereinigung der Mitglieder der beiden deutschen NOKs erfolgte am 17. November 1990 der Zusammenschluss, weshalb auch die Mitglieder des NOKs der DDR nun in die Aufarbeitung einbezogen werden.

„Mit der Aufarbeitung nimmt der DOSB seine Verantwortung wahr, sich kritisch mit seiner eigenen Geschichte im Kontext der NS-Diktatur auseinanderzusetzen. Das ist ein erster, aber enorm wichtiger Schritt“, erklärt Michaela Röhrbein, DOSB-Vorstand Sportentwicklung und ergänzt: „Gerade in Zeiten, in denen Demokratie und Gesellschaft immer wieder angegriffen werden, ist diese Verantwortungsübernahme im Sinne von ‚Nie wieder Diktatur und Faschismus!‘ besonders relevant. Es geht nicht nur um die Aufarbeitung der Vergangenheit, sondern auch um die Verantwortung, die wir für eine integre und demokratische Zukunft tragen - im Sport und in der Gesellschaft.“

80 Jahre Befreiung: „dass Auschwitz nie mehr sei!“ - Verantwortung des Sports

Überlebende kämpfen gegen das Verdrängen

Im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurden mehr als eine Million Menschen ermordet. Der Name Auschwitz steht heute unter anderem symbolisch für den Völkermord an den europäischen Jüdinnen*Juden und an den Sinti*zze und Rom*nja im Zweiten Weltkrieg. Nach Befreiung des Lagers durch die Rote Armee setzten sich Überlebende dafür ein, auf dem ehemaligen Gelände eine Gedenkstätte zu errichten. Ein Umstand, der auf alle ehemaligen Orte von Konzentrationslagern zutrifft: Dass es heute so viele größere oder kleinere Gedenkstätten gibt, war keine zwangsläufige Entwicklung nach 1945, sondern ein Ergebnis jahrelanger Kämpfe von Überlebenden, ihren Angehörigen und zivilgesellschaftlichen Initiativen - oft und lange gegen staatliche und gesellschaftliche Widerstände.

Aufarbeitung - Anfänge im Sport 

Auch im Sport gab es lange Zeit Widerstände, sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Stimmen von kritischen Historiker*innen und Journalist*innen fanden wenig Gehör, und Vereins- sowie Verbandsfunktionär*innen wurden nicht müde, auf den „unpolitischen Sport“ zu verweisen. Ein Umdenken fand erst mit der Jahrtausendwende statt. So gab beispielsweise der Deutsche Fußball-Bund 2001 eine Studie zur Aufarbeitung der Verbandsgeschichte im Nationalsozialismus in Auftrag. Der Deutsche Turnerbund und der Deutsche Alpenverein haben sich ebenso intensiv mit den eigenen, aktiven Rollen in der nationalsozialistischen Diktatur und Kontinuitäten nach 1945 auseinandergesetzt. Der DOSB hat am Montag bekannt gegeben, die NS-Vergangenheit von Persönlichkeiten in den Vorgängerorganisationen des DOSB untersuchen zu lassen. Auch viele andere Sport- und Fußballvereine haben sich mit ihrer Vergangenheit befasst.

Leerstellen in der Erinnerungsarbeit

Ein Gedenken rund um den 27. Januar ist bei vielen Proficlubs und etlichen Amateur-vereinen mittlerweile fester Bestandteil. Gleichzeitig bedeutet aktives Gedenken mehr als nur das Abdrucken dieses Textes oder das symbolische und oftmals ritualisierte Vorlesen der Namen von verfolgten Mitgliedern vor der Gedenktafel oder in der Stadiondurchsage. Es meint vielmehr eine beständige Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Rassismus und anderen Diskriminierungsformen bis heute. Diese Leerstellen der Erinnerungsarbeit sowie Kontinuitäten rechtsextremer Gewalt brauchen noch mehr Aufmerksamkeit des Sports. Auch weil nur noch sehr vereinzelt Zeitzeug*innen von ihren Erfahrungen berichten können, liegt es an uns allen, deren Geschichten weiterzuerzählen und ihre Wünsche sowie die ihrer Angehörigen anzuhören und ernst zu nehmen.

Einsatz für Demokratie

Sport ist mehr als nur Bewegung; er ist wertebasiert und nicht gesellschaftspolitisch neutral. Der organisierte Vereins- und Verbandssport in Deutschland ist Teil der kritischen Zivilgesellschaft und damit auch Mitspieler der wehrhaften Demokratie. DOSB und dsj unterstützen aktuell dabei mit ihrer Kampagne „Hör auf deinen Sport“ und mit der Banner-Aktion des Netzwerks „Zusammen für Demokratie“

Mira Jeanne Maack ist „Eliteschülerin des Sports 2024“

Über den Titel „Eliteschülerin des Sports 2024“ durfte sich die Para-Schwimmerin Mira Jeanne Maack (21, Berlin) freuen, die im Sommer bei den Paralympischen Spielen in Paris die Bronzemedaille über 100 m Rücken gewann.

Auf Platz zwei landete bei der diesjährigen Wahl die Biathletin Julia Tannheimer (19, Furtwangen), gefolgt von der Hochspringerin Ella Obeta (19, Nürnberg) auf Platz drei.

Zum 15. Mal zeichnete der DOSB gemeinsam mit der Sparkassen-Finanzgruppe die Eliteschüler*innen des Sports aus. Die besten drei Eliteschüler*innen der insgesamt 43 Eliteschulen des Sports (EdS) in Deutschland werden mit dem Titel und einem einmaligen Stipendium von der Sparkassen-Finanzgruppe geehrt. Platz eins erhält ein Stipendium in Höhe von 5.000 Euro. Für die Plätze zwei und drei werden jeweils 3.000 Euro vergeben.

Platz eins: Mira Jeanne Maack

Die Schülerin der Eliteschule „Schul- und Leistungssportzentrum Berlin“ gewann bei den Paralympischen Spielen in Paris im vergangenen Jahr Bronze über 100 m Rücken (S8) und stellte dabei in 1:18,36 Minuten einen neuen deutschen Rekord über die Strecke auf. Mira ist eines der Aushängeschilder der EdS in Berlin. Ehrgeiz und Disziplin zeigt sie nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch in der Schule. 2025 wird sie ihr Abitur ablegen und weist hier sehr gute Noten im Einser- bis Zweierbereich auf.

„Wir müssen proaktiv eingreifen, bevor der große Schaden da ist“

Der DOSB hat zehn Forderungen an die neue Bundesregierung aufgestellt – und wir untermauern diese in den Wochen des Bundestagswahlkampfs und der anschließenden Koalitionsverhandlungen mit der Unterstützung von Testimonials aus dem Leistungssport, um anhand von Beispielen aus der Praxis deutlich zu machen, was diese Forderungen dem organisierten Sport bedeuten. Der Link zu allen zehn Forderungen findet sich am Textende. In Folge 1 geht es um Investitionen und Infrastruktur.

„Geht nicht - gibt’s nicht“, das ist das Motto, unter das Maurice Schmidt seinen Alltag als Leistungssportler gestellt hat. Als Goldmedaillengewinner bei den Paralympischen Spielen in Paris hat der 25-Jährige vom SV Böblingen eindrucksvoll bewiesen, dass er als Rollstuhlfechter in der Lage ist, die Grenzen des Machbaren immer weiter zu verschieben. Als Profisportler, der auf barrierefreie Infrastruktur angewiesen ist, erlebt er dagegen manchmal Dinge, die unter die Kategorie „Geht gar nicht“ einzuordnen wären. Und deshalb war er sofort bereit, seine Erfahrungen zu schildern, um die Forderung des DOSB nach kontinuierlicher und ausreichender Unterstützung für den Ausbau, die Sanierung, die Modernisierung und Dekarbonisierung von Sportstätten zu unterstützen.

„Grundsätzlich haben wir im Parasport den Vorteil, dass wir oft in neueren Hallen trainieren, weil das Thema Barrierefreiheit noch nicht lang bei der Errichtung von Sportstätten mitgedacht wird“, sagt Maurice Schmidt, der in Stuttgart Umweltschutztechnik studiert. Deshalb kennt er die Probleme mit maroden Sanitärbereichen, die in vielen alten Hallen Alltag sind, nicht so intensiv aus eigener Erfahrung. Aber was den Mann, der mit Dysmelie, einer Fehlbildung der Gliedmaßen, geboren wurde, oft verärgert, ist die Gleichgültigkeit, mit der Barrierefreiheit vielerorts noch immer angegangen wird. 

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