Neues aus Sportdeutschland
DOSB fordert Zukunftspakt Ehrenamt für den Sport
Aktuelle Zahlen aus Deutschem Freiwilligensurvey, Engagementbericht und Sportentwicklungsbericht zeichnen ein klares Bild: Der Sport bleibt das größte Engagementfeld in Deutschland. Rund neun Millionen Menschen engagieren sich in Sportvereinen. Das sind mehr als in jedem anderen Bereich der Zivilgesellschaft. Gleichzeitig ist die gesamtgesellschaftliche Engagementquote von 39,7 Prozent (2019) auf 36,7 Prozent (2024) gesunken. Auch im Sport nimmt der Anteil leicht ab, obwohl die Zahl der Mitgliedschaften erneut einen Rekordwert von 29,3 Millionen erreicht.
Besorgniserregend: 17,5 Prozent der Sportvereine sehen sich durch Engpasssituationen bei Trainer*innen, Übungsleiter*innen und Vorständ*innen in ihrer Existenz bedroht. Ihre Aufgaben werden komplexer, der zeitliche Aufwand steigt und immer mehr freiwillig Engagierte verbringen einen erheblichen Teil ihrer Zeit mit bürokratischen Anforderungen statt mit sportlicher Arbeit.
Gleichzeitig zeigt der Freiwilligensurvey: Die Bereitschaft, sich künftig zu engagieren, ist hoch. Insbesondere bei jungen Menschen und bei Personen, die bislang noch keinen Zugang zu Engagementstrukturen hatten. Doch Zugangshürden, soziale Unterschiede und fehlende Zeit verhindern häufig den Einstieg.
Was gut war, wo wir besser werden können - und auf was ich mich freue
Liebe Sportfreundinnen und Sportfreunde,
bevor ich euch auf meine kleine, persönliche Reise durch das Sportjahr 2025 mitnehme, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um Stephan Brause um Verzeihung zu bitten. Ich glaube, ich habe den Leiter unseres Ressorts Olympiabewerbung am 26. Oktober an den Rand des Nervenzusammenbruchs getrieben. Es war der Abend des Referendums in München, und ich war so aufgeregt und nervös, dass ich Stephan immer wieder Nachrichten geschickt habe, um den aktuellen Stand der Auszählung zu erfragen. Als um 18.45 Uhr immer noch kein Ergebnis vorlag, habe ich ihn angerufen und gefragt, was nun Sache ist. Wenig später konnte er mir die frohe Kunde von überragenden 66,4 Prozent Zustimmung überbringen. Mein Abend war gerettet!
Was aber viel wichtiger war als meine persönliche Gefühlslage an diesem historischen Abend: Deutschland hat endlich wieder einen Kandidaten, um ins internationale Rennen um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele einzutreten! Dass in München erstmals in der weltweiten Sportgeschichte ein Bürgerentscheid über Sommerspiele gewonnen wurde, ist ein sehr wichtiger Schritt für unser Land. Und wenn alles gut läuft, gehen diesen Schritt im kommenden Jahr auch die drei weiteren Bewerber aus Berlin, Hamburg und Rhein-Ruhr. Aber dazu später mehr, zunächst gilt es zurückzuschauen.
Vor einem Jahr standen wir vor großen Herausforderungen
Um einordnen zu können, was der organisierte Sport in Deutschland in diesem Jahr erreicht hat, ist es notwendig, den Blick ins vergangene Jahr zu richten. Vor der Mitgliederversammlung im Dezember 2024 stand der DOSB ohne Vorstandsvorsitzenden da - und gleichzeitig vor der Herausforderung, mit einer neu zu wählenden Bundesregierung den mit der gescheiterten Ampelkoalition fast schon abgeschlossenen Prozess der Implementierung eines Sportfördergesetzes neu aufzulegen und auch die uns wichtigen Themen im Koalitionsvertrag unterzubringen. Den Prozess zur Olympiabewerbung haben wir in Richtung eines „One-Village-Konzeptes“ modifiziert, um international größere Erfolgschancen zu haben. Und mit der Einführung eines Safe Sport Codes betraten wir als erste zivilgesellschaftliche Organisation in Deutschland Neuland, dessen Erschließung Ungewissheiten beinhaltete.
Wenn ich heute, rund ein Jahr später, auf das schaue, was sich aus diesen Herausforderungen entwickelt hat, glaube ich guten Gewissens sagen zu können, dass 2025 ein gutes Jahr für den Sport in Deutschland war. Münchens Erfolg habe ich bereits erwähnt; wir freuen uns aber auch darüber, dass wir einen Prozess initiiert haben, den alle vier Bewerberregionen als transparent und fair empfinden. An diesem Samstag stimmt die Mitgliederversammlung über den weiteren Weg zur Findung des nationalen Kandidaten ab. Die Unterstützung für die Bewerbung ist vollumfänglich vorhanden, am Donnerstag dieser Woche haben die Bundesregierung unter Führung von Bundeskanzler Friedrich Merz, die vier Bewerberregionen und der DOSB eine politische Vereinbarung zur Olympiabewerbung unterzeichnet, das sogenannte „Memorandum of Understanding“. 34 namhafte Unternehmen haben sich in einer Wirtschaftsinitiative zusammengeschlossen, um ihrerseits die Bewerbung zu fördern. Und wir sind Ende November mit dem Internationalen Olympischen Komitee in den Continuous Dialogue eingetreten, was uns zum offiziellen Interessenten für die Ausrichtung macht. Unser Ziel, eine Bewerbung zu gestalten, die dem gesamten Land dient, können wir durch diese Geschlossenheit untermauern, und das freut mich ganz besonders.
Großer Dank an unsere Vorstände
Diese Unterstützung war eine unserer drei Kernforderungen an die Bundespolitik, die wir vor der Bundestagswahl im Februar formuliert hatten. Dass es auch die anderen beiden in den Koalitionsvertrag geschafft haben, verdanken wir in erster Linie der beharrlichen Arbeit unserer Gremien und Ressorts. Zu einem nicht unwesentlichen Teil aber auch Volker Bouffier, der in den ersten sieben Monaten dieses Jahres als Vorstand mit besonderen Aufgaben die Vakanz auf dem Vorstandsvorsitz nicht nur tilgen, sondern dank seines persönlichen Netzwerks auch Impulse geben konnte, die tief in die Politik hinein gewirkt haben. Meine beiden ganz persönlichen Höhepunkte des Sportjahres 2025 sind deshalb die Gewissheit, dass die Personalie Bouffier die erhoffte Wirkung erzeugt hat, und der Fakt, dass Otto Fricke sich als neuer Vorstandsvorsitzender von September an sehr gut in das manchmal komplizierte Gebilde DOSB eingefügt hat. Dass beides möglich war, liegt in besonderem Maße in der unermüdlichen Arbeit unserer Vorstände Michaela Röhrbein, Thomas Arnold, Leon Ries und Olaf Tabor begründet, die insbesondere in der Zeit ohne Vorstandsvorsitzenden Großartiges geleistet haben.
Ich weiß, dass unsere Kritikerinnen und Kritiker diese Bilanz dadurch verwässert sehen könnten, dass die Sportmilliarde, die wir pro Jahr gefordert hatten, aktuell noch nicht in jedem Jahr fließen soll. Und dass die Beziehung zur neuen Staatsministerin für Sport und Ehrenamt - ein Amt, das unsere dritte Forderung war - dadurch gelitten hat, dass der Referentenentwurf zum Sportfördergesetz veröffentlicht wurde, ohne dass er mit dem DOSB vorabgestimmt worden ist. Das mag man so sehen, ich sehe es anders. Manche Dinge brauchen eben Zeit, um sie komplett durchzusetzen, und gegenseitiges Vertrauen, das wachsen muss. Und manche sind schlicht Machtspiele, die in der Politik regelmäßig vorkommen.
Weder ich noch meine Kolleginnen und Kollegen in Vorstand und Präsidium verschließen die Augen davor, dass wir als DOSB unsere Außendarstellung und unsere Vertrauenswürdigkeit noch optimieren können. An manchen Stellen dürfen wir uns noch offensiver einbringen, an anderen müssen wir deutlicher auf unsere Expertise und unsere Verantwortung pochen. Aber grundsätzlich bin ich überzeugt davon, dass wir im Jahr 2025 sowohl im Binnen- als auch im Außenverhältnis wichtige Schritte in die richtige Richtung gegangen sind, um möglicherweise verloren gegangenes Vertrauen in unsere Kompetenzen zurückzugewinnen. Daran, auf diesem Weg alle mitzunehmen und die ungemein vielfältigen Themenbereiche, die unsere Arbeit im DOSB umfasst, auszugestalten und stetig weiterzuentwickeln, arbeitet unsere gesamte Belegschaft jeden Tag mit großer Leidenschaft und Energie. Dafür möchte ich an dieser Stelle meinen herzlichen Dank aussprechen.
Ein weiterer Schritt auf dem Weg zu Spielen in Deutschland
Dem US-amerikanischen Automobilpionier Henry Ford wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Zusammenkommen ist ein Anfang; zusammenbleiben ist ein Fortschritt; zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“ Am Donnerstagnachmittag haben Vertreter*innen aus Bundes- und Landespolitik sowie dem organisierten Sport ihre Zusammenarbeit auf dem Weg zu einer erfolgreichen Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele in Deutschland auf ein neues Fundament gehoben. In der Kanzlergalerie des Bundeskanzleramtes in Berlin setzte Friedrich Merz (CDU) als letzter von sieben Zeichnenden seinen Namenszug unter eine politische Vereinbarung zur deutschen Bewerbung.
Mit diesem erneuerten „Memorandum of Understanding“, das im Sommer vergangenen Jahres bereits von der Vorgängerregierung gezeichnet worden war, bekräftigen die Partner sowohl das gemeinschaftliche Handeln für eine deutsche Bewerbung als auch den Bewerbungsprozess des DOSB. Bereits am 19. November hatte das Bundeskabinett dieser Unterzeichnung zugestimmt. Am Freitag vergangener Woche hatte der DOSB beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne die Aufnahme des Continuous Dialogue beantragt und gilt damit offiziell als Interessent für die Ausrichtung der Spiele. Der DOSB strebt eine Ausrichtung im Zeitraum 2036 bis 2044 an. Das sind die nächsten zu vergebenden Editionen für Spiele im Sommer.
„Olympische und Paralympische Spiele sind mehr als ein Fest des Spitzensports. Mit der Bewerbung präsentieren wir uns als eine leistungsfähige, innovative Nation. Wir investieren mit ihr in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Unseren Olympiasiegerinnen und -siegern von morgen wollen wir ein Heimspiel ermöglichen. Die gesamte Bundesregierung - mich eingeschlossen - unterstützt die Bewerbung des deutschen Sports voll und ganz. Wir wollen die Spiele endlich wieder in Deutschland feiern“, sagte Bundeskanzler Merz. Dr. Christiane Schenderlein (CDU), Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, ergänzte: „Die politische Vereinbarung zeigt unsere Entschlossenheit für die deutsche Bewerbung und die Geschlossenheit von Sport und Politik. Sie eint uns im weiteren Bewerbungsprozess. Wir sind zuversichtlich, dass der DOSB im nächsten Jahr mit seinem Auswahlverfahren den besten nationalen Kandidaten findet und wir dann international überzeugen.“ Über den weiteren Weg der Kandidatenfindung stimmt an diesem Samstag in Frankfurt am Main die DOSB-Mitgliederversammlung ab.
Hier soll der Deutsche Sport in zehn Jahren stehen
Sechs Ziele bis 2035. Mehr sollen es nicht sein, um den Fokus auf das Wesentliche zu halten. Die neuen DOSB-Ziele 2035 liefern Handlungsklarheit, machen Fortschritte messbar und dienen allen Verantwortlichen im Sport als Leitbild, damit der Sport mit gemeinsamer Kraft und Anstrengung den Weg in eine positive Zukunft beschreiten kann.
Gleichzeitig stellen diese Ziele bzw. ihre Erfüllung für uns auch die gesellschaftliche Legitimation des DOSB als zentrale Stimme des Sports in Deutschland dar. Sie sind das, wofür wir stehen und woran wir uns messen lassen.
Auf unserer Mitgliederversammlung am 6. Dezember 2025 wurden diese sechs Ziele offiziell verabschiedet und beschlossen.
Diversity Digital setzt starken Impuls für Vielfalt im Sport
Zum Auftakt setzte Verena Bentele (Vizepräsidentin des DOSB) ein klares Statement dafür, dass Diversität und Teilhabe im Sport kein „Nice to have“, sondern ein zentrales Entscheider*innen-Thema sind: „Wir sprechen viel über Diversität, Transparenz und die Werte des Sports. Für mich ist der Sport von Natur aus auf Vielfalt ausgelegt: Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven, Biografien und Fähigkeiten kommen hier zusammen“, so Bentele zur Eröffnung. Sie betonte weiter: „Der Sport hat unzählige Menschen, die sich engagieren, Freude am Sport haben und teilhaben möchten. Wenn wir Angebote schaffen, die Menschen zusammenbringen, eröffnen wir Erfahrungsräume, die weit über politische Debatten hinausgehen. Der Sport kann ein Lernort sein – mit Vorbildern, Perspektiven und gemeinsamen Erfahrungen. Damit bietet er Politik und Gesellschaft einen großen Mehrwert.“
Barrieren, Verantwortung und strukturelle Herausforderungen
Im Anschluss sprach Steffi Jones (Fußball-Weltmeisterin 2003) in einem starken Impulsvortrag und im Dialog mit Verena Bentele über Barrieren, Privilegien und Verantwortung im Kontext von Vielfalt. „Wenn wir über Vielfalt sprechen, sprechen wir über Chancen und Sichtbarkeit. Aber Vielfalt ist nicht nur ein Geschenk, sie bedeutet auch Arbeit. Sie bedeutet Verletzlichkeit, Barrieren – manche sichtbar, manche unsichtbar – und manchmal auch Worte, die triggern können.“ Der darauffolgende Austausch mit Führungskräften aus Sport und Wirtschaft bot schließlich konkrete Einblicke, wie Diversität in Leitungsgremien und Organisationen gelingen kann – und welche strukturellen Herausforderungen dabei weiterhin bestehen.
Praxisimpulse aus Workshops und Mitgliedsorganisationen
Vorständin Sportentwicklung Michaela Röhrbein freute sich über das rege Interesse an Diversity Digital – mit ca. 170 Teilnehmenden und engagierter Beteiligung. Weil Sie bereits das nächste Highlight, die DOSB-Mitgliederversammlung am Wochenende, vorbereitet, begrüßte Sie zum Themenschwerpunkt Ehrenamt und Praxis am Nachmittag. Bei „Diversity Digital“ wurden in mehreren parallelen Workshops zentrale Themen wie Antirassismus, Chancengerechtigkeit, soziale Herkunft, Inklusion, Barrierefreiheit und Organisationsentwicklung bearbeitet. Abgerundet wurde das Programm durch sportliche Impulse – etwa „Yoga ohne Matte“ oder entspannte Bewegungseinheiten – sowie durch Erfahrungsberichte aus Mitgliedsorganisationen, die deutlich machten: Vielfalt im Sport ist nicht nur Thema, sondern gelebte Praxis.
Aus Haltung wird Handlung – und aus Handlung Veränderung
Die Veranstaltung macht deutlich: Vielfalt im Sport ist kein Projekt, das man nebenbei betreibt – sie braucht klare Haltung, strategisches Denken und mutiges Handeln. Die Teilnehmenden erhielten konkrete Werkzeuge, Beispiele und Netzwerk-Kontakte, um Vielfalt im eigenen Verein oder Verband machtkritisch gestalten zu können. Dr. Peggy Bellmann, Leiterin des Ressorts Diversity im DOSB, sagt nach diesem vielfältigen Tag: „Gerade in der aktuellen Zeit wird Vielfalt oft in Frage gestellt. Woke ist nicht mehr en vogue. Aber Vielfalt ist kein Trend oder eine Mode. Vielfalt ist gelebte Realität in Deutschland – auf und neben den Sportplätzen. Damit sich alle Menschen im Sport willkommen fühlen, bedarf es eines aktiven Managements dieser Vielfalt. Mit Diversity Digital haben wir gezeigt, wie aus Haltung Handlung wird. Wir freuen uns darauf, die Impulse weiter in die Praxis zu tragen – und stehen unterstützend und beratend zur Verfügung."



