Neues aus Sportdeutschland

Zum Dienstjubiläum: Otto Frickes privates Alphabet

A wie Acht: Mein Vorname bedeutet in italienischer Sprache, die ich nicht erst seit meinen ersten Winterspielen in diesem Februar sehr mag, acht. Zudem war die Acht meine Rückennummer beim Elternhockey, das ich spielen musste, nachdem ich von meiner zehnjährigen Tochter bei ihrem Hockeyspiel gefordert hatte, sie solle doch mehr laufen. „Lauf doch selbst erstmal mehr“ war die Antwort, und da hatte sie recht. Habe ich danach nie wieder gefordert.

B wie Buckelpiste: Meine Eltern haben mir früher im Winterurlaub in Verbier (Schweiz) das Skifahren ermöglicht, und da gab es wahnsinnig viele Buckelpisten. Ich habe sogar mal als Jugendlicher an einem Wettbewerb teilgenommen, aber als Flachland-Tiroler war ich gnadenlos unterlegen. Ski fahre ich bis heute, aber viel zu wenig. Der Geist will mehr, als der Körper noch kann.

C wie Chicago Cubs: Ich liebe Baseball! Am Anfang war ich Fan der Toronto Blue Jays, weil ich 1992 mein erstes Livespiel in deren Stadion gesehen habe. Irgendwann guckt man aber nach den „Loveable Losers“, die 106 Jahre nicht Meister waren, und so bin ich längst Anhänger der Cubs. Die Atmosphäre im Wrigley Field ist einfach toll, ich war schon mehrfach dort. Insgesamt habe ich bisher 15 MLB-Stadien besucht. 

D wie Demokratie: Sie ist die essenzielle Voraussetzung für ein gutes Leben. Wir müssen alles tun, um sie zu bewahren. Je mehr Leute sie verteidigen, umso weniger haben die, die sie verachten, eine Chance. 

E wie evangelisch: Ich bin ein gläubiger, aber nicht religiöser evangelischer Christ, der mit seiner Kirche hadert, weil sie die Wichtigkeit der Seelsorge zu sehr aus den Augen verloren hat. Ich lebe meinen Glauben, indem ich bete, die christlichen Grundwerte beachte und erst einmal positiv auf jeden Menschen zugehe.

F wie Freiburg: Diese wunderbare Stadt war mein Studienort und ist immer wieder Sehnsuchtsort, weil der Hochschwarzwald zur Region Freiburg dazugehört. Die Liebe zu Freiburg liegt in der Familie: Meine Eltern haben dort studiert, mein Sohn studiert dort. Ich habe fünfeinhalb Jahre dort verbracht, war auch Mitglied der Baseballer der Freiburg Knights. Der „bleibende Schaden“ ist die Liebe zum SC Freiburg. 

G wie Gleitschirm: Ich habe 1989 meine komplette deutsche Lizenz in den Vogesen gemacht. Damals war das noch kontrolliertes Sinken statt richtiges Fliegen. Ich wollte mir mit dem Gleitschirm immer den Traum vom Fliegen erfüllen. Am meisten bin ich in den Alpen geflogen, mein längster Flug dauerte 90 Minuten, das war auch in Verbier. Wegen des Risikos habe ich es aufgegeben, als die Kinder klein waren. Ich würde mir aber nach einem Auffrischungskurs zutrauen, es noch einmal zu machen.

H wie Hockey: Alle meine drei Kinder haben im Crefelder HTC Hockey gespielt, eine Tochter hat es bis zur Hallen-Bundesliga gebracht. Im CHTC bin ich noch immer Mitglied, habe dort auch Elternhockey gespielt. Ich schaue den Sport sehr gern und versuche, mich informiert zu halten. Hockey bietet eine wirklich tolle Gemeinschaft.

I wie international: Als überzeugter Europäer kann ich gar nicht anders, als mich international auszurichten, und als jemand, der Geschichte-Leistungskurs belegt hat, weiß ich, dass es ohne internationale Beziehungen nicht funktioniert. Sprachen zu lernen und Kulturen zu erkunden, macht mir Spaß, ich bin einfach neugierig. Mein liebstes internationales Reiseziel ist Norwegen, das mir ganz besonders am Herzen liegt. Meine Lieblingsinsel dort ist Senja.

J wie Jura: Die Rechtswissenschaften waren nicht mein erster Studienwunsch, das war Architektur, aber den NC habe ich mit meinem Abischnitt von 2,6 nicht geschafft. Also habe ich in Freiburg Jura studiert und bin dafür sehr dankbar. Von 1995 bis 2000 habe ich als Rechtsanwalt in Vollzeit gearbeitet, faktisch aber seit meinem 15. Lebensjahr in der Kanzlei meiner Eltern gejobbt, als Student die Buchhaltung gemacht. Auch als Abgeordneter im Bundestag habe ich, wenn es zeitlich ging, im privaten Baurecht weitergemacht, meine Spezialität waren feuchte Keller. Ich kann mir vorstellen, es wie meine 89 Jahre alte Mutter zu machen und bis ins hohe Alter zu arbeiten. Für das Gehirn gilt, was auch im Sport gilt: dass Training fit hält.

K wie Krawatte: Ein Mann aus der Seidenstadt Krefeld kann nicht ohne Krawatte. Ich empfinde sie als eine der wenigen Möglichkeiten, die ein Mann hat, um Schmuck zu tragen. Farblich auf die Krawatte abgestimmte Kniestrümpfe runden das Gesamtbild ab. Im Referendariat habe ich damit angefangen. Wenn ich wusste, dass ich Mandantenkontakt habe, habe ich eine Krawatte getragen, und seitdem ziehe ich es durch. Ich bin aber auch im DOSB ein liberaler Krawattenträger: Ich darf, andere müssen nicht.

L wie Lakritz: Im DOSB habe ich diese Leidenschaft eingeführt, auch wenn sie noch nicht von vielen geteilt wird. Lakritze gab es bei uns zu Hause schon immer, und das regelmäßige Verbringen der Sommerferien in den Niederlanden hat die Zuneigung verfestigt. Meine Lieblingssorte sind niederländische Honig-Lakritze. Das Beste daran ist: In Süddeutschland isst sie dir niemand weg.

M wie Musik: Ich mag Musik sehr! Ich singe sehr gern, angeregt durch meine Mitgliedschaft in einer Studentenverbindung. Auch Singen im Stehen in der Kirche befreit und lockert. Wer das nicht glaubt, muss sich nur Fangesänge im Stadion anhören. Ich bin nicht auf einen Stil festgelegt. Meine Lieblingsband ist Depeche Mode, ich höre aber auch gern Klaviermusik, je nach Stimmung. Ich war sehr früh Kraftwerk-Fan, 1984 bin ich zu einem Konzert nach Düsseldorf gegangen, auch weil das Gründungsmitglied Ralf Hütter aus Krefeld kam. Ein Instrument habe ich leider nicht gelernt, obwohl wir ein Klavier zu Hause hatten und mein Vater Akkordeon gespielt hat.

„Respekt und Wertschätzung müssen wichtiger sein als Skandalisierung“

An diesem Wochenende beginnt sie wieder, die Fußball-Bundesliga der Männer. Was das für viele Millionen Menschen bedeutet, ist uns in Sportdeutschland allen bewusst. Ich möchte den Stellenwert des Fußballs keinesfalls schlechtreden und an dieser Stelle auch nicht die Moraldiskussion vertiefen, die während und nach der XXL-WM in diesem Sommer entbrannt war. Aber daraus ergibt sich ein Thema, das mir als Athlet in einem Nischensport ganz besonders am Herzen liegt, und das in den vergangenen Wochen einen bemerkenswerten Schub erhalten hat.

Die Erfolge deutscher Athlet*innen bei der Heim-WM im Reitsport, der Leichtathletik-EM in Birmingham und der Schwimm-EM in Paris haben während der Sommerzeit ebenso wie der Fußball Millionen Sportbegeisterte komplett abgeholt. Ich habe mich nicht nur riesig mit den vielen Team-D-Aktiven gefreut, sondern vor allem auch darüber, in welcher Form über ihre Wettkämpfe berichtet wurde. Angefangen hat dieser grandiose Sportsommer mit den Finals Ende Juli in Hannover, die von ARD und ZDF gewohnt großflächig in Szene gesetzt wurden. Ein Format, das für nationale Titelkämpfe seinesgleichen sucht. Dass aber auch die Europameisterschaften in den olympischen Kernsportarten Leichtathletik und Schwimmen in einer Breite im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sichtbar waren, die wir aus den vergangenen Jahren zumindest im Schwimmen nicht gewohnt waren, ist ein extrem wichtiges Zeichen.

Warum? Weil es trotz all der Möglichkeiten, die das Internet bietet, noch immer unerlässlich für das Erreichen einer breiten Öffentlichkeit ist, im frei empfangbaren Fernsehen stattzufinden. Livestreams decken heutzutage zwar viele Sportevents ab. Aber ich weiß das von unseren Weltcups im Eisschnelllaufen: Wenn die Rennen im Stream laufen, gucken da mit Glück ein paar Tausend Fachleute oder Familienangehörige zu. Wenn aber in der Pause der Biathlon-Übertragung eine Zusammenfassung unserer Wettkämpfe gezeigt wird, haben wir ein Millionenpublikum. Damit erreichen wir viele Menschen, die ein grundsätzliches Sportinteresse haben, aber nicht über Stunden Eisschnelllauf schauen würden. Und genau diese Einstiegsebene braucht es, um Aufmerksamkeit zu generieren, Sportbegeisterte zu Eisschnelllauf-Fans zu machen und damit letztlich das Interesse von Sponsoren zu wecken.

Das Zauberwort lautet Kontinuität

Das Zauberwort für den Umgang mit dem olympischen Sport lautet allerdings: Kontinuität. Im Wintersport ist diese gegeben, weil sich die Weltverbände mit den TV-Anstalten auf einen Wettkampfkalender geeinigt haben, der an den Wochenenden tagesfüllende, aufeinander abgestimmte Sendepläne ermöglicht. Im Sommer ist die Situation eine andere. Wenn ich für die mediale Verbreitung einen Wunsch frei hätte, dann wäre es der, dass zumindest der jeweilige Saisonhöhepunkt in jeder olympischen sowie paralympischen Sportart – und nach meiner Hoffnung gern auch in vielen nicht-olympischen Sportarten – umfangreich im öffentlich-rechtlichen Programm abgedeckt würde. Wir propagieren im organisierten Sport immer wieder die Wichtigkeit unserer Angebote für die Förderung der Gesundheit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts, und wir bewerben uns um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele. Da sehe ich es als gemeinsame Pflicht, die gesamte Bandbreite des Sports auch abzubilden. Mir ist natürlich klar, dass Sendezeiten begrenzt sind. Aber es wäre schon ein Quantensprung, wenn ARD und ZDF alle Saisonhöhepunkte per Livestream mit Fachkommentar und Moderation anbieten würden.

Die Frage, ob es „klassische Medien“ weiterhin braucht, wenn über die sozialen Medien doch jeder zu seinem eigenen Sender werden kann, wird oft gestellt. Meine Antwort darauf ist klar: auf jeden Fall! Zum einen gibt es viele Athlet*innen, die weder die Zeit noch die Mittel haben, sich als Social-Media-Profis zu betätigen. Andere wiederum wollen sich nicht in der privaten Form öffnen, die es braucht, um entsprechende Aufmerksamkeit zu generieren. Für mich zählt aber ebenso: Wir brauchen die Medien für die Einordnung, was mich zu einem weiteren Aspekt führt, der mich in den vergangenen Wochen berührt hat. Über die Frage, ob die Wertschätzung für die Leistung der Sportler*innen angemessen sei, wurde intensiv diskutiert. Ich möchte an dieser Stelle nicht das Thema Bezahlung aufmachen, weil es ein abendfüllendes ist. Aber die Frage, ob Sportjournalismus in Deutschland zu kritisch, zu negativ daherkommt, ist spannend.

Bob- und Schlittenverband schneidet in PotAS-Analyse am besten ab

Überraschungen blieben aus, als die zuständige Kommission am Donnerstag im Bundeskanzleramt in Berlin die Ergebnisse des Potenzialanalyse-Systems (PotAS) für den deutschen Wintersport auf dem Weg zu den Olympischen Winterspielen 2030 präsentierte. Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) schnitt erwartungsgemäß am besten ab und belegt mit sechs dem BSD zugehörigen Disziplingruppen die ersten sechs Plätze der Rangliste. Die Poleposition sicherte sich Bob Frauen, dahinter folgen Rennrodeln der Frauen und Männer, Bob Männer sowie Skeleton Frauen und Männer. Den letzten Rang der 38 Disziplingruppen belegt Shorttrack Frauen. Die gesamte Liste und der PotAS-Report sind auf der Homepage der Kommission hier zu finden.

„Die Ergebnisse sind wenig überraschend, sie bilden letztlich das Abschneiden unseres Team D bei den Winterspielen in Mailand Cortina ab“, sagt Olaf Tabor. Der Vorstand Leistungssport war am Donnerstag in Berlin als Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vor Ort und stand den rund zehn Medienvertreter*innen für Fragen zur Verfügung. „Wenn wir im Winter erfolgreich bleiben wollen, brauchen wir nicht nur die Leistungsfähigkeit im Eiskanal als wesentlichen Erfolgsfaktor, sondern wieder mehr als in Mailand Cortina auch die übrigen medaillenrelevanten Sportarten und Disziplinen. Dafür wird der Weg einer Fokussierung durch die potenzialorientierte Förderung weitergeführt.“ Auch Urs Granacher, der Vorsitzende der PotAS-Kommission, empfahl: „Wir sollten die Stärke des BSD absichern. Wir müssen aber auch schauen, die Disziplingruppen, die Potenziale haben, wieder an die Weltspitze heranzuführen.“

Die 2016 im Zuge der Leistungssportreform eingerichtete, unabhängige Potenzialanalyse-Kommission trägt zu einer objektiven und transparenten Grundlage für die Förderung des Spitzensports bei. In der nun vorliegenden fünften Analyse, der dritten für den Wintersport, wurde im förderrelevanten Bewertungsverfahren erstmals auf die Bewertung der Strukturattribute verzichtet. Stattdessen erfolgt die diesbezügliche Qualitätssicherung anhand der Strukturpläne und den Konzeptprüfungen in den Strukturgesprächen mit den Fachverbänden. Weitere grundlegende Veränderungen waren eine veränderte Methodik zur individuellen Potenzialbewertung sowie ein längerer Betrachtungszeitraum bei den zurückliegenden Erfolgen, die seit 2014 einbezogen wurden.

Ökologische Nachhaltigkeit im Sport: Neue Impulse durch Digitalisierung und KI

Mit der fortschreitenden Digitalisierung und den rasanten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) eröffnen sich auch für den Sport neue Möglichkeiten, ökologische Nachhaltigkeit wirksamer, datenbasierter und effizienter zu gestalten. Gleichzeitig stellen sich Fragen nach dem verantwortungsvollen Einsatz dieser Technologien, ihrem Ressourcenverbrauch sowie den organisatorischen und ethischen Rahmenbedingungen ihrer Nutzung.

Diesen Chancen und Herausforderungen widmete sich das 30. Symposium zur nachhaltigen Entwicklung des Sports, das am 11. und 12. Dezember 2025 in Bodenheim am Rhein auf Einladung von DOSB und DFB stattfand. Die von Thomas Wilken (KONTOR 21) moderierte und mitkonzipierte Veranstaltung brachte 20 Expert*innen aus Sportorganisationen, Wissenschaft, Ministerien und Praxis zusammen, um über die Rolle von Digitalisierung und KI für eine nachhaltige Entwicklung des Sports zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen die Themenfelder naturverträgliche Aktivitätenlenkung im Outdoorsport, digitales Sportstättenmanagement sowie KI-gestützte Klimabilanzierung. Die Ergebnisse und Fachbeiträge des Symposiums wurden nun in der Dokumentation als Band 41 der DOSB-Schriftenreihe „Sport und Umwelt“ veröffentlicht.

Die Publikation zeigt anhand konkreter Praxisbeispiele, wie digitale Anwendungen bereits heute dazu beitragen können, Energie- und Ressourcenverbräuche in Sportstätten zu reduzieren, naturverträgliche Sportaktivitäten besser zu steuern oder Klimabilanzen von Sportorganisationen effizienter zu erstellen. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass Digitalisierung und KI kein Selbstzweck sind. Ihr nachhaltiger Mehrwert hängt wesentlich von qualitativ hochwertigen Daten, geeigneten Standards, klaren Governance-Strukturen sowie einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und Datenschutz ab.

DOSB und dsj begrüßen geplante Einführung der U10 Vorsorgeuntersuchung

Für Kinder im Alter zwischen 9 und 10 Jahren wird es künftig eine neue Vorsorgeuntersuchung geben. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entschieden und gleichzeitig die Inhalte der neuen U10 Vorsorgeuntersuchung festgelegt. Der Fokus liegt u.a. auf den Themen Übergewicht und körperliche Aktivität und damit auf Bereichen, die unmittelbar den Sport miteinschließen.

Der DOSB und die Deutsche Sportjugend (dsj) begrüßen die geplante Einführung der neuen, verpflichtenden U10 deshalb ausdrücklich. Mit der zusätzlichen Vorsorgeuntersuchung soll die große Lücke zwischen der U9 (um den 5. Geburtstag) und der Jugenduntersuchung J1 (zwischen 13-14 Jahren) geschlossen werden. Aus Sicht des organisierten Sports ist dies ein wichtiger Schritt, um die Gesundheitsförderung und Prävention im Kindesalter frühzeitig und ganzheitlich in den Blick zu nehmen.

Das Alter von 9 bis 10 Jahren bietet zahlreiche Möglichkeiten, um Bewegung selbstverständlich in den Alltag zu integrieren und Kinder für regelmäßigen Sport im Verein zu begeistern. Entscheidend ist in diesem prägenden Alter vor allem, dass Kinder Freude an Bewegung entwickeln und unterschiedliche Möglichkeiten kennenlernen, aktiv zu sein – egal ob auf dem Schulweg, beim Spielen oder im Verein.

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