Neues aus Sportdeutschland
Ab sofort bewerben für die „Sterne des Sports“ 2026
Ob in den wichtigen Bereichen Bildung und Qualifikation, Gesundheit und Prävention, Klimaschutz und Demokratieförderung oder in der täglichen Vereinsarbeit bei Themen wie Mitgliedergewinnung, Digitalisierung oder Ehrenamtsförderung: Gesucht werden Ideen und Projekte, die das Vereinsleben voranbringen und damit die wichtige Rolle der Sportvereine in unserer Gesellschaft stärken. Alles, was dazu beiträgt, hat die Chance auf eine Auszeichnung bei den „Sternen des Sports“.
Von der lokalen Bronzeebene über die regionale Silber-Auszeichnung bis hin zur Bundesebene in Gold winken zahlreiche Preise. Der Gewinnerverein des „Großen Stern des Sports“ in Gold wird Anfang 2027 in Berlin geehrt und erhält ein Preisgeld von 10.000 Euro.
Ein Großmeister seines Fachs will das deutsche Boxen zu alter Stärke führen
Auch Genies wählen manchmal einfache Botschaften. „Wenn man gute Ergebnisse liefert, ist man ein guter Trainer“, sagt Humberto Horta Dominguez. Man mag das für eine Binsenweisheit halten, aber vielleicht fällt dem 59-Jährigen eine solche Aussage auch deshalb etwas leichter, weil man ihm im Umkehrschluss selbst dann, wenn die erhofften Resultate ausblieben, nicht unterstellen würde, ein schlechter Übungsleiter zu sein. Schließlich ist das, was der neue Chefbundestrainer im Deutschen Boxsport-Verband (DBV) an Reputation mitbringt, über jeden Zweifel erhaben. In seinem Heimatland Kuba, im olympischen Boxen über Jahrzehnte das anerkannte Powerhouse der Welt, hat er herausragende Kampfkünstler wie Yan Barthelemy, Guillermo Rigondeaux, Odlanier Solis, Robeisy Ramirez oder Roniel Iglesias zu Olympiasiegen gecoacht. Vor zehn Jahren wagte er den Schritt nach Europa, führte die russische Boxstaffel zu den Sommerspielen in Rio de Janeiro, wechselte 2019 nach Aserbaidschan und war für die Spiele 2021 in Tokio und 2024 in Paris für Frankreichs Auswahl verantwortlich.
Erfolg hatte Humberto Horta Dominguez überall, was zumindest die Frage beantwortet, warum der DBV Interesse an seiner Verpflichtung hatte. Aber was ihn dazu bewogen hat, eine einst große Boxnation zu übernehmen, die seit nunmehr 25 Jahren – von wenigen bronzenen Ausnahmen wie Vitali Tajbert, Artem Harutyunyan oder Nelvie Tiafack abgesehen – dem olympischen Ruhm von einst hinterherschlägt, das muss man den Neuen schon direkt fragen. Und aus der Antwort, die er gibt, lässt sich heraushören, dass da nun jemand für den DBV in der Ringecke steht, der nicht viele Worte braucht, um so treffend wie ehrlich verbal zu parieren. „Genau diese Aufbauarbeit macht den Reiz aus. Dort, wo ich bislang gearbeitet habe, war es einfach, weil der Erfolg schon da war. Ich habe mich bewusst für den DBV entschieden, um hier etwas Neues entstehen zu lassen“, sagt er.
Er sagt es auf Spanisch, Diagnostiktrainer Frank-Josef Fischer, der als Aktiver lange auf Kuba trainierte, übersetzt nicht nur im Gespräch mit dem DOSB, sondern auch im Training, wenn es notwendig ist. Ist es aber kaum, sagt Farid Vatanparast. „Wenn die Sportlerinnen und Sportler dreimal am Tag die gleichen Kommandos hören, wissen sie schnell, was gemeint ist. Die Sprache spielt da kaum eine Rolle“, sagt der DBV-Präsident mit iranischen Wurzeln aus Münster, der bei Hortas Einstellung zum 1. Februar dieses Jahres die treibende Kraft war. Auch der Coach selbst ist überzeugt davon, dass die Sprache des Sports universell ist. Er erklärt das anhand eines anschaulichen Beispiels. „Bei den Olympischen Spielen in Paris waren bei den Männern Usbekistan und bei den Frauen China die erfolgreichsten Nationen. Beide Staffeln wurden von kubanischen Trainern geführt, die die Landessprache nicht beherrschten“, sagt er im Brustton einer Überzeugung, die keinerlei Widerspruch zu dulden scheint.
Horta setzt auf ein starkes Kollektiv
Diese Klarheit sei es, die ihn davon überzeugt habe, „diesem Mann zu einhundert Prozent zu vertrauen“, sagt Farid Vatanparast, dem jedoch wichtig ist zu betonen, dass der Neue keinesfalls nur mit seiner natürlichen Autorität zu gefallen wisse. „Humberto ist verdammt hart, aber noch herzlicher. Er ist sehr verständnisvoll und betrachtet jedes einzelne Mitglied des Teams individuell. Für jeden hat er einen eigenen Plan und beherrscht es, sein klares Konzept an jedes Individuum anzupassen.“ Das Team, sagt Humberto Horta, müsse immer im Mittelpunkt stehen, das sei die vielleicht wichtigste Säule seiner Philosophie. „Wir brauchen Zusammenhalt. Wenn man kein gutes Kollektiv bildet, kann man in der Arbeit nicht vorankommen.“ Dazu gehöre selbstverständlich Disziplin, die er in Deutschland seinen Erwartungen entsprechend vorfinde. „Die klare Ansage ist, dass jeder 15 Minuten vor Trainingsbeginn zu erscheinen hat, und ich hatte bislang noch keinen einzigen Anlass, eine Disziplinarstrafe auszusprechen“, sagt er.
Was er seinem Verband mit der Personalie Horta zumutet, ist Farid Vatanparast bewusst. Auch weil Hortas Vorgänger, der 2017 verpflichtete Ire Eddie Bolger, nicht immer ein glückliches Händchen damit hatte, seine Außensicht in den DBV hineinzutragen, war das Murren darüber, ob in Deutschland nicht ausreichend gute Trainer verfügbar seien und wirklich wieder ein Ausländer verpflichtet werden müsse, deutlich vernehmbar. Zumal der Kubaner nicht weniger als einen vollständigen Mentalitätswechsel und eine komplett neue Philosophie im deutschen olympischen Boxen implementieren möchte. „In Europa wird in Training und Wettkampf sehr statisch geboxt. Das möchte ich aufbrechen“, sagt er.
Hamburg stimmt gegen Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele
Die wahlberechtigten Bürger*innen in Hamburg haben gewählt und mit 54,9 Prozent gegen eine Bewerbung Hamburgs um Olympische und Paralympische Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 gestimmt. Bei einer Wahlbeteiligung von 49,5 Prozent – 652.603 der 1.315.800 Abstimmungsberechtigten nutzten ihr Wahlrecht - gab es 293.819 Ja-Stimmen, eine Mehrheit wurde damit verfehlt. Die hohe Wahlbeteiligung zeugt dennoch von einem breiten demokratischen Verständnis der Wähler*innen in Hamburg.
Aufgrund des negativen Ergebnisses kann die Freie und Hansestadt Hamburg ihr Konzept nun nicht mehr bis zum 4. Juni beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einreichen. Damit hat Hamburg die zweite Stufe des gemeinsam mit allen Bewerbern abgestimmten Drei-Stufen-Modells nicht erfolgreich abgeschlossen und gilt für den DOSB fortan nicht mehr als Bewerber.
Der weitere Prozess der Olympiabewerbung wird bis zur außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. September mit den Bewerbern Berlin, KölnRheinRuhr und München fortgesetzt. Unabhängig davon wird der DOSB weiterhin mit Hamburg zusammenarbeiten, um zu prüfen, wie Teile des Konzeptes auch unabhängig von einer Olympiabewerbung im Sinne des Sports realisiert werden können.
Zu dem vorläufigen amtlichen Endergebnis aus Hamburg nimmt der DOSB wie folgt Stellung:
Eine Botschafterin für alles Gute im Leben
Ausnahmen bestätigen jede Regel. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass es Menschen gibt, die aus einem Gespräch mit Yusra Mardini schlechter gelaunt herauskommen, als sie hineingegangen sind. Was nicht nur an dem liegt, was die 28-Jährige sagt, sondern auch daran, wie sie Dinge verbal zu verpacken weiß. „Sieh das Gute in allen Lebenslagen“, das ist ihr Lebensmotto. Wer ihre Geschichte kennt, weiß einzuordnen, dass ihr dieses Motto oftmals geholfen hat, um sich über Wasser zu halten, manches Mal sogar im wahrsten Wortsinn. Dass sie heute, rund elf Jahre nachdem ihr Leben die wohl einschneidendste Wende nahm, die man sich vorstellen kann, ihre Wortgewalt auch im Deutschen Olympischen Sportbund einbringt, ist ein Geschenk. Für beide Seiten, wie Yusra im Gespräch bestätigt. Aber dazu später mehr.
Im August 2015 war die damals 17-Jährige in Begleitung ihrer drei Jahre älteren Schwester Sara aus ihrer vom Krieg schwer gezeichneten Heimat Syrien nach Europa geflohen. Was ihnen auf der Überfahrt aus der Türkei auf die griechische Insel Lesbos passierte, ist spätestens im 2022 auf Netflix erschienenen Doku-Drama „Die Schwimmerinnen“ der Welt bekannt gemacht worden. Weil an ihrem vollkommen überlasteten Schlauchboot der Außenbordmotor ausfiel und das Gefährt mit mehreren Nichtschwimmern an Bord zu kentern drohte, sprangen die Mardini-Schwestern, die damals beide zum syrischen Nationalkader zählten, ins Wasser und hielten das Boot über mehrere Stunden auf Kurs, bis das rettende Ufer erreicht war. Es folgte eine nervenaufreibende Reise über die Balkan-Route bis nach Berlin, wo die beiden unter Obhut des damaligen Cheftrainers Sven Spannekrebs bei den Wasserfreunden Spandau 04 ein neues Leben beginnen konnten.
2016 startete Yusra in Rio für das Refugee Olympic Team
2016 startete Yusra für das Refugee Olympic Team des Internationalen Olympischen Komitees bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Für ihre Bekanntheit in der Sportwelt war das der Durchbruch, für die Athletin selbst der Startschuss zu einem Medien-Marathon. Viele Male musste sie ihre Geschichte erzählen, 2018 verarbeitete sie ihre Erlebnisse in ihrer Biografie „Butterfly“, deren Titel an ihren favorisierten Schwimmstil angelehnt ist. 2021 war sie bei den Sommerspielen in Tokio Fahnenträgerin des Geflüchteten-Teams, und als kurz darauf die Anfrage aus dem DOSB kam, ob sie sich vorstellen könne, als Persönliches Mitglied eine Rolle im Dachverband des deutschen Sports zu übernehmen, habe sie keine Sekunde mit der Zusage gezögert, sagt sie. „Der DOSB hat mir nach meiner Ankunft in Deutschland so viel gegeben, ich wurde von allen Seiten so großartig unterstützt, dass es für mich sofort klar war, dass ich gern etwas zurückgeben wollte“, sagt sie.
Sven Spannekrebs erinnert sich ebenfalls an die Anfrage, die der damalige DOSB-Pressesprecher Michael Schirp initiiert hatte. „Es gab keine Zweifel, dass Yusra es macht, auch wenn wir nicht wussten, was diese Aufgabe beinhaltet“, sagt der Mann, der für Yusra bis heute einer der engsten Vertrauten ist. Gemeinsam gründeten sie am 20. Juni 2023, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, eine Stiftung, die in Deutschland unter dem Namen „Butterfly by Yusra Mardini“ firmiert und international als „Yusra Mardini Foundation“ agiert. Mit beiden Vereinen versucht die ehemalige Spitzenathletin, die bei der UN-Flüchtlingsagentur UNHCR als Goodwill Ambassador tätig ist, Geflüchteten in aller Welt Zugang zu Sport und Bildung zu ermöglichen.
Ihren Wohnsitz in den USA, wo sie nach dem Ende ihrer Karriere im Jahr 2022 ein Studium aufgenommen hatte, hat Yusra mittlerweile aufgegeben. Ihre Projekte steuert sie aus dem Nahen Osten und Berlin, wo ihre Familie lebt. „Ich bin aber so viel auf Reisen, dass ich keine feste Basis habe“, sagt sie. Als Heimat bezeichnet sie Deutschland, dessen Staatsbürgerin sie seit vier Jahren ist, und Syrien, wo sie aktuell ein neues Projekt anschiebt, für das sie auf Unterstützung der Bundesregierung hofft. „Dort gibt es noch immer zweieinhalb Millionen Kinder, die auf der Straße leben und keinerlei Möglichkeiten haben, mit Sport und Bildung in Kontakt zu kommen. Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, deren Lage zu verbessern, denn das Einzige, das Kinder aus ihrem Leid herausholen kann, ist der Sport“, sagt sie.
„Die DOA muss das Schnellboot der olympischen Bildung sein“
DOSB: Miri, du bist Mutter zweier kleiner Mädchen, arbeitest im Hauptberuf im Polizeidienst, bist ehrenamtlich im Präsidium des DOSB und bei der Sporthilfe in Rheinland-Pfalz engagiert. Ketzerisch gefragt: Warum brauchte es nun noch das Ehrenamt als Vorsitzende der Deutschen Olympischen Akademie?
Miriam Welte: Das ist eine berechtigte Frage. Dank meines Amtes im DOSB-Präsidium war ich in den Vorstand der DOA entsandt und habe gespürt, dass dort viel Arbeit anliegt, die mir wichtig ist. Das Thema olympische Bildung liegt mir extrem am Herzen. Ich sehe, nicht zuletzt auch durch meine eigenen Kinder, dass Sport und Bewegung in unserer Gesellschaft und vor allem bei Kindern und Jugendlichen einen immer geringeren Stellenwert haben. Dadurch gehen Werte verloren, die ich für unerlässlich halte, und die gesundheitlichen Auswirkungen von Bewegungsmangel sind uns allen bekannt. Gleichzeitig steht die DOA an einem wichtigen strategischen Punkt. Nach dem Ausscheiden von Gudrun Doll-Tepper war klar, dass wir nicht einfach im Status quo weitermachen können, sondern die Akademie inhaltlich und strukturell neu ausrichten müssen. Als ich gefragt wurde, ob ich bis zu den Neuwahlen kommissarisch Verantwortung übernehmen würde, war für mich deshalb schnell klar: Ich möchte diesen Prozess aktiv mitgestalten. Trotz meiner anderen Verpflichtungen habe ich mich dazu entschieden. Und ich mache das gern!
Die IOC-Charta besagt, dass die olympische Bildung im Zuständigkeitsbereich der Nationalen Olympischen Komitees liegt. Der DOSB könnte sich also auch selbst darum kümmern. Warum braucht es aus deiner Sicht aber die Akademie?
Der DOSB könnte olympische Bildung selbstverständlich selbst organisieren. Die entscheidende Frage ist aber, welche Struktur dafür langfristig die größte Wirkung entfaltet. Ich bin überzeugt, dass die DOA gerade durch ihre eigenständige Rolle einen besonderen Mehrwert für die olympische Bewegung bietet.
Worin liegt dieser besondere Mehrwert konkret?
Die DOA bringt einen vielfältigen, fundierten und zugleich gesellschaftlich orientierten Blick auf die Sinn-, Werte- und Grundsatzfragen des Sports ein. Sie ergänzt damit die operative und sportpolitische Arbeit des DOSB und stärkt sie zugleich.
In den vergangenen Monaten wurde intensiv über die Ausrichtung der Akademie diskutiert. Was bedeutet das für die Zukunft der DOA?
Die Diskussion hat deutlich gemacht, dass die Stärke der DOA nicht darin liegt, möglichst viele Aufgaben parallel abzubilden. Unsere Stärke liegt in einer klar fokussierten Rolle: als Impulsgeberin, Wissensplattform, Netzwerkpartnerin und Kompetenzzentrum für olympische Wertebildung.
Was heißt das konkret für die Arbeit der Akademie?
Die DOA soll künftig schnell, innovativ und partnerschaftlich agieren können – etwa bei Bildungsformaten, Pilotprojekten oder der Vernetzung von Sport, Wissenschaft und Bildung im Kontext der olympischen und paralympischen Werte. Genau darin sehen wir die Rolle der DOA als „Schnellboot“ innerhalb des olympischen Systems.
Bedeutet das auch eine engere Zusammenarbeit mit dem DOSB und anderen Partnern?
Absolut. Es geht ausdrücklich nicht um Abgrenzung, sondern um ein kooperatives und arbeitsteiliges Modell. Die Zukunft der DOA liegt in der intelligenten Ergänzung bestehender Strukturen – gemeinsam mit DOSB, dsj, der Deutschen Olympischen Gesellschaft, dem Deutschen Sport- und Olympiamuseum, Hochschulen und internationalen Partnern. Wir wollen die DOA strategisch so aufstellen, dass sie in diesem Netzwerk eine klare, sichtbare und wirksame Rolle übernimmt.



