Neues aus Sportdeutschland
„Unser System ist in vielen Bereichen nicht auf Weltklasseniveau“
Ausgelastete Terminkalender sind der Normalzustand für Menschen, die sich professionell mit Sportpolitik befassen; insbesondere, wenn wie in diesen Wochen Olympische und Paralympische Spiele anstehen, findet sich nur schwerlich Raum für anderes. Umso wichtiger ist es dann, dass zusätzliche Abendveranstaltungen zumindest Erkenntnisgewinn bringen. Auf den Parlamentarischen Abend des deutschen Sports, zu dem am Mittwoch die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, Theresa Schopper, als Vorsitzende der Sportministerkonferenz und Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), als Gastgeber geladen hatten, traf das zu. Unter dem Motto „Vom Purzelbaum zum Podium. Talente entdecken und entwickeln“ waren rund 250 geladene Gäste aus Bundes- und Landespolitik sowie dem organisierten Sport gekommen, um in der Landesvertretung Baden-Württembergs an der Berliner Tiergartenstraße über Sportförderung und künftige Erfolge zu diskutieren.
Um das Thema von allen Seiten zu beleuchten, waren verschiedene Gesprächspanels und Impulsvorträge angesetzt. Eine dieser Keynotes setzte Dominic Ullrich, Coach in der Leichtathletik und Lehrer an einer Schule in Frankfurt am Main, der über die bessere Vernetzung von Schulen und Vereinen referierte und den flächendeckenden Ganztag als „riesige Chance“ bezeichnete. Ullrich brachte in seinem Kurzvortrag das 5-B-Modell zur Sprache, mit dem Jugendliche an ein Leben im Sportverein herangeführt werden sollen: Bewegen, begeistern, beteiligen, bilden und binden. Begeisternd und bildend wirkte das auf zumindest zwei prominente Zuhörerinnen. Weder Theresa Schopper noch Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, hatten von diesem Modell bislang Kenntnis und freuten sich über die Inspiration sichtlich.
Rein weibliches Podium setzt einen wohltuenden Kontrast
Die beiden Damen sorgten gemeinsam mit Aydan Özoguz, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, für das bemerkenswerteste Bild des Abends, als sie sich gemeinsam auf dem Podium den Fragen von Moderator Kai Gemeinder zur künftigen Ausrichtung der Sportförderung stellten. Wer seinen Blick durch das Publikum schweifen ließ, konnte unschwer feststellen, wie männlich die deutsche Sportwelt noch immer dominiert ist. Ein rein weibliches Podium mit drei Frauen in Spitzenämtern setzte da einen wohltuenden Kontrast, der noch dadurch verstärkt wurde, dass sich das Trio trotz unterschiedlicher Parteicouleur nicht darin zu überbieten versuchte, Trennendes zu betonen, sondern Vereinendes fand. Die Grüne Schopper, SPD-Mitglied Özoguz und CDU-Führungskraft Schenderlein waren sich einig darin, dass es einer gemeinsamen Kraftanstrengung bedarf, um dem Sport in Deutschland endlich den Stellenwert zu verschaffen, den er angesichts seiner gesamtgesellschaftlichen Bedeutung verdient.
Ein wichtiger Hebel dafür soll das neue Sportfördergesetz werden, das zwischen der früheren Ampelkoalition und dem DOSB schon nahezu ausverhandelt war und dann doch nicht kam, weil die Ampel abgeschaltet wurde. Die neue Bundesregierung hatte zunächst noch wichtigere Themen abzuarbeiten; dann war Ende Oktober 2025 ein erster Referentenentwurf bekannt geworden, der für erwartbare Diskussionen und eine deutliche Ablehnung seitens des DOSB gesorgt hatte. Bevor die Gespräche über mögliche Anpassungen in den kommenden Wochen wieder aufgenommen werden und das Gesetz in die Kabinettsbefassung kommen soll, waren am Mittwochabend deutliche Signale zu empfangen, dass sich beide Seiten aufeinander zu bewegen.
Nele Aurelie Reinwardt ist „Eliteschülerin des Sports 2025“
Über den Titel „Eliteschülerin des Sports 2025“ durfte sich die Kanutin Nele Aurelie Reinwardt (19/Dresden) freuen. Sie überzeugte im vergangenen Jahr mit starken internationalen Leistungen sowie mit herausragendem Engagement in Schule und Sport. Platz wei belegte Biathlet Lukas Tannheimer (19/Furtwangen), gefolgt von der Rhythmischen Sportgymnastin Helena Ripken (19/Berlin) auf Platz drei.
Führungs- und Entscheidungspositionen im organisierten Sport
Immer mehr Sportvereine in Deutschland haben Schwierigkeiten, ehrenamtliche Funktionsträger*innen zu gewinnen und langfristig zu binden. Laut dem Sportentwicklungsbericht 2024 sehen sich viele Sportvereine deshalb in ihrer Existenz bedroht. Um diesem Trend entgegenzuwirken, ist es wichtig, mehr Frauen und andere unterrepräsentierte Gruppen für Führungs- und Entscheidungspositionen zu gewinnen. Ausgewogene Verhältnisse in Führungsetagen bringen wichtige Vorteile mit sich: Perspektivenvielfalt und nachweislich wirtschaftliche Stabilität. Zudem können Frauen in Führungspositionen als Vorbilder wirken und andere motivieren, sich zu engagieren und Verantwortung im Verband oder Verein zu übernehmen.
3. European Sport For All Games 2026 in Limerick, Irland - Ausschreibung
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entsendet eine Delegation zur Repräsentation und Vorführung traditioneller Sportarten.
Bestandteil des Sportprogramms dieser Veranstaltung sind Demonstrationen und Vorführungen von Breitensportvereinen und traditioneller Sportarten. Hinsichtlich des Kriteriums „traditionelle Sportarten“ bestehen keine expliziten Vorgaben oder Einschränkungen.
Die Teilnahme wird bundesweit ausgeschrieben. Der DOSB bittet um Bewerbungen von Sportvereinen bis zum 27. Februar 2026. Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich Sportvereine, die einer DOSB-Mitgliedsorganisation angeschlossen sind.
Das Bewerbungsformular ist online unter folgendem Link verfügbar: https://forms.office.com/e/mXGMSiT72Q
Ein aussagefähiges Video der sportlichen Darbietung muss Bestandteil der Bewerbung sein. Bitte laden Sie Ihr Video bei einem Filesharing-Service oder einer gängigen Video-Plattform hoch und hinterlegen Sie den Link im Anmeldeformular.
Der DOSB wählt aus den eingehenden Bewerbungen eine Delegation aus.
Eine nominierte Delegation umfasst bis zu sieben Personen und erhält vom Veranstalter TAFISA folgende Leistungen: Unterkunft, Nahverkehr und Verpflegung für bis zu 7 Personen für 6 Tage und 5 Übernachtungen.
Darüber hinaus erhält die nominierte Delegation vom DOSB einen Reisekostenzuschuss bis insgesamt max. 2.500 Euro.
Die übrigen Aufwendungen einschl. Auslandsreisekrankenversicherungen sind durch die Teilnehmergruppe zu finanzieren.
Weitere Informationen zu den TAFISA European Sport For All Games 2026 finden Sie unter: https://limericksports.ie/limerick-to-host-european-sport-for-all-games-2026/
Bei Rückfragen erreichen Sie uns unter: tafisa(at)dosb.de
„Magische Spiele“ - mit Mehrwert für ganz Italien
Mit einer farbenfrohen Abschlusszeremonie in der Arena von Verona gingen die Olympischen Winterspiele 2026 am vergangenen Sonntag zu Ende – und damit ein Großereignis, das weit über Medaillen und Rekorde hinauswirkt. Italien nutzte diesen Moment, um sich noch einmal von seiner schönsten Seite zu zeigen: kulturell reich, historisch verwurzelt und zugleich modern, offen und zukunftsorientiert.
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry lobte die Gastgeber bei der Abschlussfeier und sprach von „wahrhaft magischen“ Spielen, mit denen Italien einen neuen Standard gesetzt habe - sportlich, organisatorisch und gesellschaftlich. Olympische Winterspiele, die nicht nur Athlet*innen und Fans rund um den Globus begeisterten, sondern Impulse für Infrastruktur, Nachhaltigkeit, regionale Entwicklung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt im ganzen Land gaben.
Die Spiele passen sich dem Gastgeber an - nicht umgekehrt
Die Olympischen Winterspiele 2026 waren nicht nur die ersten Winterspiele in Europa seit zwanzig Jahren, sondern auch die ersten, die vollständig nach den Vorgaben der Agenda 2020 des Internationalen Olympischen Komitees umgesetzt wurden. Ziel dieser Reformen war es, dass die Olympischen Spiele einen nachhaltigen und langfristigen Mehrwert schaffen. Getreu dem Motto: Die Spiele passen sich dem Gastgeber an. Nicht der Gastgeber den Spielen.
Ein zentrales Anliegen in Mailand und Cortina d’Ampezzo war die Nachhaltigkeit: Von insgesamt 13 Sportstätten wurden nur zwei neu errichtet - der Eiskanal in Cortina und die Santa Giulia Eishockey Arena in Mailand. Somit waren 85 Prozent der Wettkampfstätten bestehende oder temporäre Anlagen, darunter viele traditionsreiche Wintersportorte. Besonders Livigno, Austragungsort der Ski Freestyle und Snowboard Wettbewerbe ist ein gelungenes Beispiel: Durch Investitionen von mehr als 160 Millionen Euro in Sportanlagen und Infrastruktur wurde nicht nur der Wintersport gestärkt, sondern auch die Voraussetzungen für den Tourismus verbessert.
Zwei Olympische Dörfer - mit unterschiedlicher Nachnutzung
An den beiden Hauptstandorten wurden olympische Dörfer errichtet, wobei jeweils unterschiedliche Ansätze verfolgt wurden. In Mailand entstand auf einem ehemaligen Bahngelände dringend benötigter Wohnraum: Neue Wohnblöcke mit viel Grün, Solardächern und nachhaltiger Bauweise bieten nach den Spielen Platz für 1.700 Studierende, einschließlich Cafés, Geschäften und Gemeinschaftsräumen.
In Cortina wurde hingegen ein mobiles Olympisches Dorf geschaffen. Das Pop-Up-Dorf in den Dolomiten ist vollständig rückbaubar. Die mobilen Wohneinheiten werden künftig an Campingplätzen in ganz Italien weitergenutzt.
Das Thema Nachnutzung wurde auch als Verbindung zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris aufgegriffen: 24.000 Gegenstände, darunter Möbel, Technik und medizinisches Equipment, wurden aus Paris weiterverwendet.
70 % der Abfälle wurden recycelt, und die Wettkampfstätten nutzten ausschließlich Ökostrom. Auch im Bereich der Schneeerzeugung beschritt Italien neue Wege: Es wurden keine chemischen Zusätze verwendet, der Stromverbrauch konnte um 30 % gesenkt werden und es kam vollständig erneuerbare Energie zum Einsatz.
Sport als Teil der Verfassung
Ein bemerkenswertes Vermächtnis der Spiele ist die grundlegende Verankerung des Sports in der italienischen Verfassung: „Die Republik erkennt den Bildungs- und Sozialwert sowie die Förderung des psychophysischen Wohlbefindens durch sportliche Aktivitäten in all ihren Formen an.“ Diese Ergänzung fand 2023 Eingang in die italienische Verfassung und soll den Wert des Sportes in der Gesellschaft unterstreichen.
Diesem Anspruch wurden die italienischen Organisatoren auch im Vorfeld der Spiele gerecht: Rund fünf Millionen Menschen haben an kommunalen Sportangeboten teilgenommen, und 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche profitieren vom Gen26-Bildungsprogramm, das olympische und paralympische Aktivitäten für Schüler*innen ermöglicht.
Über 330 Legacy-Projekte wurden in ganz Italien initiiert, mit zwei Hauptzielen: mehr Bewegung für alle sowie nachhaltige lokale wirtschaftliche Entwicklung. Zudem besteht eine Zusammenarbeit mit 20 Universitäten, die neue Sportprojekte fördern.
Die Wirtschaft profitiert langfristig
Wirtschaftlich wirkten die Spiele als Motor für das gesamte Land. Studien der Bocconi und Ca’ Foscari Universitäten schätzen, dass sich der Netto-Effekt auf bis zu fünf Milliarden Euro zwischen 2019 und 2031 beläuft. Mehr als 500 Millionen zusätzliche Steuereinnahmen und rund 36.000 neue Arbeitsplätze wurden generiert.
Bewerbung um die Sommerspiele?
Auch sportlich bleiben die Spiele den Italiener*innen in bester Erinnerung: Das „Team Italia“ gewann 30 Medaillen - so viele wie nie zuvor bei Winterspielen - darunter zehnmal Gold. Die Begeisterung erfasste das ganze Land: 1,3 Millionen Eintrittskarten wurden verkauft - ein neuer Rekord bei Winterspielen.
Die Spiele von Milano Cortina haben einen bleibenden Mehrwert für die Menschen in ganz Italien geschaffen von nachhaltiger Infrastruktur, wirtschaftlichem Aufschwung bis hin zu einer stärkeren Identifikation mit dem Sport.
Italien blickt mit Stolz auf diese Spiele zurück und möchte diese Erfolgsgeschichte fortsetzen, womöglich mit einer neuerlichen Bewerbung um die Spiele. Rom könnte als möglicher Gastgeber für die Sommerspiele ins Rennen gehen.

