Neues aus Sportdeutschland

„Respekt und Wertschätzung müssen wichtiger sein als Skandalisierung“

An diesem Wochenende beginnt sie wieder, die Fußball-Bundesliga der Männer. Was das für viele Millionen Menschen bedeutet, ist uns in Sportdeutschland allen bewusst. Ich möchte den Stellenwert des Fußballs keinesfalls schlechtreden und an dieser Stelle auch nicht die Moraldiskussion vertiefen, die während und nach der XXL-WM in diesem Sommer entbrannt war. Aber daraus ergibt sich ein Thema, das mir als Athlet in einem Nischensport ganz besonders am Herzen liegt, und das in den vergangenen Wochen einen bemerkenswerten Schub erhalten hat.

Die Erfolge deutscher Athlet*innen bei der Heim-WM im Reitsport, der Leichtathletik-EM in Birmingham und der Schwimm-EM in Paris haben während der Sommerzeit ebenso wie der Fußball Millionen Sportbegeisterte komplett abgeholt. Ich habe mich nicht nur riesig mit den vielen Team-D-Aktiven gefreut, sondern vor allem auch darüber, in welcher Form über ihre Wettkämpfe berichtet wurde. Angefangen hat dieser grandiose Sportsommer mit den Finals Ende Juli in Hannover, die von ARD und ZDF gewohnt großflächig in Szene gesetzt wurden. Ein Format, das für nationale Titelkämpfe seinesgleichen sucht. Dass aber auch die Europameisterschaften in den olympischen Kernsportarten Leichtathletik und Schwimmen in einer Breite im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sichtbar waren, die wir aus den vergangenen Jahren zumindest im Schwimmen nicht gewohnt waren, ist ein extrem wichtiges Zeichen.

Warum? Weil es trotz all der Möglichkeiten, die das Internet bietet, noch immer unerlässlich für das Erreichen einer breiten Öffentlichkeit ist, im frei empfangbaren Fernsehen stattzufinden. Livestreams decken heutzutage zwar viele Sportevents ab. Aber ich weiß das von unseren Weltcups im Eisschnelllaufen: Wenn die Rennen im Stream laufen, gucken da mit Glück ein paar Tausend Fachleute oder Familienangehörige zu. Wenn aber in der Pause der Biathlon-Übertragung eine Zusammenfassung unserer Wettkämpfe gezeigt wird, haben wir ein Millionenpublikum. Damit erreichen wir viele Menschen, die ein grundsätzliches Sportinteresse haben, aber nicht über Stunden Eisschnelllauf schauen würden. Und genau diese Einstiegsebene braucht es, um Aufmerksamkeit zu generieren, Sportbegeisterte zu Eisschnelllauf-Fans zu machen und damit letztlich das Interesse von Sponsoren zu wecken.

Das Zauberwort lautet Kontinuität

Das Zauberwort für den Umgang mit dem olympischen Sport lautet allerdings: Kontinuität. Im Wintersport ist diese gegeben, weil sich die Weltverbände mit den TV-Anstalten auf einen Wettkampfkalender geeinigt haben, der an den Wochenenden tagesfüllende, aufeinander abgestimmte Sendepläne ermöglicht. Im Sommer ist die Situation eine andere. Wenn ich für die mediale Verbreitung einen Wunsch frei hätte, dann wäre es der, dass zumindest der jeweilige Saisonhöhepunkt in jeder olympischen sowie paralympischen Sportart – und nach meiner Hoffnung gern auch in vielen nicht-olympischen Sportarten – umfangreich im öffentlich-rechtlichen Programm abgedeckt würde. Wir propagieren im organisierten Sport immer wieder die Wichtigkeit unserer Angebote für die Förderung der Gesundheit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts, und wir bewerben uns um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele. Da sehe ich es als gemeinsame Pflicht, die gesamte Bandbreite des Sports auch abzubilden. Mir ist natürlich klar, dass Sendezeiten begrenzt sind. Aber es wäre schon ein Quantensprung, wenn ARD und ZDF alle Saisonhöhepunkte per Livestream mit Fachkommentar und Moderation anbieten würden.

Die Frage, ob es „klassische Medien“ weiterhin braucht, wenn über die sozialen Medien doch jeder zu seinem eigenen Sender werden kann, wird oft gestellt. Meine Antwort darauf ist klar: auf jeden Fall! Zum einen gibt es viele Athlet*innen, die weder die Zeit noch die Mittel haben, sich als Social-Media-Profis zu betätigen. Andere wiederum wollen sich nicht in der privaten Form öffnen, die es braucht, um entsprechende Aufmerksamkeit zu generieren. Für mich zählt aber ebenso: Wir brauchen die Medien für die Einordnung, was mich zu einem weiteren Aspekt führt, der mich in den vergangenen Wochen berührt hat. Über die Frage, ob die Wertschätzung für die Leistung der Sportler*innen angemessen sei, wurde intensiv diskutiert. Ich möchte an dieser Stelle nicht das Thema Bezahlung aufmachen, weil es ein abendfüllendes ist. Aber die Frage, ob Sportjournalismus in Deutschland zu kritisch, zu negativ daherkommt, ist spannend.

Bob- und Schlittenverband schneidet in PotAS-Analyse am besten ab

Überraschungen blieben aus, als die zuständige Kommission am Donnerstag im Bundeskanzleramt in Berlin die Ergebnisse des Potenzialanalyse-Systems (PotAS) für den deutschen Wintersport auf dem Weg zu den Olympischen Winterspielen 2030 präsentierte. Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) schnitt erwartungsgemäß am besten ab und belegt mit sechs dem BSD zugehörigen Disziplingruppen die ersten sechs Plätze der Rangliste. Die Poleposition sicherte sich Bob Frauen, dahinter folgen Rennrodeln der Frauen und Männer, Bob Männer sowie Skeleton Frauen und Männer. Den letzten Rang der 38 Disziplingruppen belegt Shorttrack Frauen. Die gesamte Liste und der PotAS-Report sind auf der Homepage der Kommission hier zu finden.

„Die Ergebnisse sind wenig überraschend, sie bilden letztlich das Abschneiden unseres Team D bei den Winterspielen in Mailand Cortina ab“, sagt Olaf Tabor. Der Vorstand Leistungssport war am Donnerstag in Berlin als Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vor Ort und stand den rund zehn Medienvertreter*innen für Fragen zur Verfügung. „Wenn wir im Winter erfolgreich bleiben wollen, brauchen wir nicht nur die Leistungsfähigkeit im Eiskanal als wesentlichen Erfolgsfaktor, sondern wieder mehr als in Mailand Cortina auch die übrigen medaillenrelevanten Sportarten und Disziplinen. Dafür wird der Weg einer Fokussierung durch die potenzialorientierte Förderung weitergeführt.“ Auch Urs Granacher, der Vorsitzende der PotAS-Kommission, empfahl: „Wir sollten die Stärke des BSD absichern. Wir müssen aber auch schauen, die Disziplingruppen, die Potenziale haben, wieder an die Weltspitze heranzuführen.“

Die 2016 im Zuge der Leistungssportreform eingerichtete, unabhängige Potenzialanalyse-Kommission trägt zu einer objektiven und transparenten Grundlage für die Förderung des Spitzensports bei. In der nun vorliegenden fünften Analyse, der dritten für den Wintersport, wurde im förderrelevanten Bewertungsverfahren erstmals auf die Bewertung der Strukturattribute verzichtet. Stattdessen erfolgt die diesbezügliche Qualitätssicherung anhand der Strukturpläne und den Konzeptprüfungen in den Strukturgesprächen mit den Fachverbänden. Weitere grundlegende Veränderungen waren eine veränderte Methodik zur individuellen Potenzialbewertung sowie ein längerer Betrachtungszeitraum bei den zurückliegenden Erfolgen, die seit 2014 einbezogen wurden.

Ökologische Nachhaltigkeit im Sport: Neue Impulse durch Digitalisierung und KI

Mit der fortschreitenden Digitalisierung und den rasanten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) eröffnen sich auch für den Sport neue Möglichkeiten, ökologische Nachhaltigkeit wirksamer, datenbasierter und effizienter zu gestalten. Gleichzeitig stellen sich Fragen nach dem verantwortungsvollen Einsatz dieser Technologien, ihrem Ressourcenverbrauch sowie den organisatorischen und ethischen Rahmenbedingungen ihrer Nutzung.

Diesen Chancen und Herausforderungen widmete sich das 30. Symposium zur nachhaltigen Entwicklung des Sports, das am 11. und 12. Dezember 2025 in Bodenheim am Rhein auf Einladung von DOSB und DFB stattfand. Die von Thomas Wilken (KONTOR 21) moderierte und mitkonzipierte Veranstaltung brachte 20 Expert*innen aus Sportorganisationen, Wissenschaft, Ministerien und Praxis zusammen, um über die Rolle von Digitalisierung und KI für eine nachhaltige Entwicklung des Sports zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen die Themenfelder naturverträgliche Aktivitätenlenkung im Outdoorsport, digitales Sportstättenmanagement sowie KI-gestützte Klimabilanzierung. Die Ergebnisse und Fachbeiträge des Symposiums wurden nun in der Dokumentation als Band 41 der DOSB-Schriftenreihe „Sport und Umwelt“ veröffentlicht.

Die Publikation zeigt anhand konkreter Praxisbeispiele, wie digitale Anwendungen bereits heute dazu beitragen können, Energie- und Ressourcenverbräuche in Sportstätten zu reduzieren, naturverträgliche Sportaktivitäten besser zu steuern oder Klimabilanzen von Sportorganisationen effizienter zu erstellen. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass Digitalisierung und KI kein Selbstzweck sind. Ihr nachhaltiger Mehrwert hängt wesentlich von qualitativ hochwertigen Daten, geeigneten Standards, klaren Governance-Strukturen sowie einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und Datenschutz ab.

DOSB und dsj begrüßen geplante Einführung der U10 Vorsorgeuntersuchung

Für Kinder im Alter zwischen 9 und 10 Jahren wird es künftig eine neue Vorsorgeuntersuchung geben. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entschieden und gleichzeitig die Inhalte der neuen U10 Vorsorgeuntersuchung festgelegt. Der Fokus liegt u.a. auf den Themen Übergewicht und körperliche Aktivität und damit auf Bereichen, die unmittelbar den Sport miteinschließen.

Der DOSB und die Deutsche Sportjugend (dsj) begrüßen die geplante Einführung der neuen, verpflichtenden U10 deshalb ausdrücklich. Mit der zusätzlichen Vorsorgeuntersuchung soll die große Lücke zwischen der U9 (um den 5. Geburtstag) und der Jugenduntersuchung J1 (zwischen 13-14 Jahren) geschlossen werden. Aus Sicht des organisierten Sports ist dies ein wichtiger Schritt, um die Gesundheitsförderung und Prävention im Kindesalter frühzeitig und ganzheitlich in den Blick zu nehmen.

Das Alter von 9 bis 10 Jahren bietet zahlreiche Möglichkeiten, um Bewegung selbstverständlich in den Alltag zu integrieren und Kinder für regelmäßigen Sport im Verein zu begeistern. Entscheidend ist in diesem prägenden Alter vor allem, dass Kinder Freude an Bewegung entwickeln und unterschiedliche Möglichkeiten kennenlernen, aktiv zu sein – egal ob auf dem Schulweg, beim Spielen oder im Verein.

Sportdeutschland kann Sportgroßveranstaltungen

Der Sommer in Sportdeutschland war ereignisreich. Wer seinen Reiseplan clever legte, konnte innerhalb weniger Wochen Sportgroßveranstaltungen an zahlreichen Standorten erleben. Die Weltmeisterschaft der Rhythmischen Sportgymnastik in Frankfurt zeigte zuletzt außerdem, was ein Heimspiel auslösen kann: 350 Gymnastinnen aus 73 Ländern trafen in der Festhalle auf ein begeistertes Publikum – und Darja Varfolomeev sorgte mit drei Goldmedaillen für deutschen Erfolgsmomente . 

„Mini-Olympia“ in Hannover

Einer der Höhepunkte des Sommers waren die Finals Ende Juli in Hannover. Vier Tage lang wurde die niedersächsische Landeshauptstadt zur Hauptstadt Sportdeutschlands. Rund 480.000 Zuschauer*innen verfolgten die 143 deutschen Meisterschaftsentscheidungen der fast 4.000 Athlet*innen. Damit stellte das Event einen neuen Finals-Besucherrekord auf. Die Wettkämpfe fanden dabei an spektakulären Orten statt – vom Stabhochsprung am Opernplatz über BMX im Neuen Rathaus bis zu den Surfwettbewerben an der Leinewelle in der Altstadt.

Events in ganz Sportdeutschland

Auch in anderen deutschen Städten sorgten internationale Sportveranstaltungen für besondere Momente. München bot viele internationale Sporthighlights, wie die BMW Open, die 2026 ihre Premiere als ATP-500-Turnier feierten und insgesamt 70.000 Zuschauer*innen auf die Anlage des MTTC Iphitos lockten. Die bayerische Landeshauptstadt war zudem Gastgeber der Taekwondo-Europameisterschaften. Rund 400 Athlet*innen aus knapp 50 Nationen traten im BMW Park um die EM-Titel an. Im Olympiapark kamen beim Munich MASH rund 60.000 Besucher*innen zusammen, um internationale Contests in fünf Sportarten zu erleben, darunter Skateboard, BMX und Wakeboard.

Nordrhein-Westfalen setzte ebenfalls starke Akzente. In Köln traf sich beim EHF FINAL4 die europäische Handballelite, während Düsseldorf im August die Flag-Football-Weltmeisterschaft ausrichtete und damit auf die olympische Premiere der Sportart 2028 in Los Angeles einstimmte. Beim EHF FINAL4 kamen allein zum Halbfinale zwischen Magdeburg und den Füchsen Berlin 20.122 Zuschauer*innen – ein neuer Besucherrekord für das Turnier. Der Höhepunkt des NRW-Sportsommers waren jedoch die FEI World Championships in Aachen. Bei der Reit-WM traten 879 Athletinnen aus fast 70 Nationen in sechs Disziplinen an. Eine halbe Million Besucher*innen kamen in die Soers und sorgten für eine beeindruckende Kulisse. Besonders laut wurde es beim deutschen Team-Gold im Springreiten, dem ersten WM-Titel der Mannschaft seit 2010. 

Und auch Berlin bleibt ein fester Bestandteil des deutschen Sportkalenders. Das Internationale Stadionfest (ISTAF) Indoor brachte schon im Frühjahr internationale Leichtathletik in die Hauptstadt. Rund 12.000 Zuschauer*innen kamen zu den Hallen-Meisterschaften in die Uber Arena. Am 30. August steht die nächste Ausgabe des ISTAF an, welches fester Bestandteil der World Athletics Continental Tour ist. Im September folgen weitere internationale Highlights. Bei der Basketball-WM der Frauen vom 4. bis 13. September spielen 16 Nationalmannschaften in 36 Spielen in der Hauptstadt um den WM-Titel. Wenige Wochen später gehen beim Berlin-Marathon rund 60.000 Sportler*innen aus etwa 160 Ländern an den Start.

Auch Hamburg setzte im Sommer sportliche Akzente: Der Haspa Marathon feierte mit mehr als 40.000 Läufer*innen seine 40. Auflage, und beim World Triathlon und den ADAC Cyclassics wurde die Stadt erneut zur Sportarena. 

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