Neues aus Sportdeutschland
250 Millionen Euro für Schwimmbäder: Förderprogramm zeigt enormen Sanierungsbedarf
Der DOSB begrüßt den Start des neuen Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“. Mit insgesamt 250 Millionen Euro aus dem Sondervermögen unterstützt der Bund die dringend notwendige Modernisierung kommunaler Hallen- und Freibäder in ganz Deutschland. Kommunen konnten bis zum 19. Juni ihre Interessenbekundungen beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) einreichen, vergangene Woche veröffentlichte das BBSR erste Zahlen zu den eingereichten Projekten.
„Ich maße mir nicht an, den deutschen Golfsport prägen zu wollen“
DOSB: Matti, die BMW Open sind für dich ein echtes Heimspiel. Was setzt diese Veranstaltung bei dir an zusätzlichen Kräften frei?
Matti Schmid: Vor heimischem Publikum zu spielen, ist immer etwas ganz Besonderes. Ich war früher schon mit meinem Vater als Zuschauer und Fan hier, jetzt hier mitzuspielen ist mega. Und vielleicht inspiriere ich sogar die nächste Generation.
Wie viel besser kennst du die Anlage in Eichenried als andere, also welche Bedeutung hat der Heimvorteil aus sportlicher Sicht?
Eichenried kenne ich schon ziemlich gut, weil ich hier sehr oft gespielt habe. Mit meinem Umzug nach München bin ich jetzt auch Mitglied und hoffe, dass der Heimvorteil sich auch beim Turnier bemerkbar macht – am besten wäre, wenn er mir sogar zum Sieg verhilft.
Der DOSB will sich um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland bewerben. Welche Auswirkungen erhoffst du dir persönlich davon, wenn die Spiele in der Heimat stattfänden?
Es macht einen schon stolz, sein Land bei Olympia vertreten zu dürfen. Wenn das auch noch in meinem Heimatland stattfinden würde, wäre das noch mehr Motivation für mich. Ich wäre allerdings schon 38, wenn die Spiele frühestens 2036 nach Deutschland kämen. Aber Golf kann man, wenn man gesund bleibt, lange auf hohem Niveau spielen – wie gesagt, die Motivation wäre auf jeden Fall riesig, teilnehmen zu können.
Dein Sport ist erst seit 2016 wieder im olympischen Programm. Welche Rolle haben die Spiele für dich gespielt, als du Teenager warst, und welche spielen sie nun, da du Teilnehmer sein kannst?
Olympische Spiele sind immer ein Ereignis, und ich habe unvergessliche Erinnerungen an Paris vor zwei Jahren. Ich habe damals das Turnier im ersten Flight eröffnet, mit dem Franzosen Victor Perez. Die Kulisse und die Fans am ersten Abschlag – einfach nur Gänsehaut. Ich habe mir dann nach dem Turnier auch noch andere Wettbewerbe angeschaut. Es waren einfach tolle Spiele in Paris.
Auf dem Golf Summit des deutschen Verbands Anfang Juni wurde das Thema einer deutschen Ausrichtung des Ryder Cups erneut diskutiert. Welche Bedeutung hätte ein solches Event in Deutschland für den Golfsport hierzulande und für dich persönlich?
Ganz klar: Für mich persönlich ist es ein Traum mitzuspielen, und ich wäre unglaublich motiviert, für das europäische Team starten zu dürfen. Gleichzeitig würde es in Deutschland hoffentlich dazu führen, den Golfsport noch breiter ins öffentliche Interesse zu bringen. Der Ryder Cup ist ein weltweites Megaevent.
Als Sohn golfbegeisterter Eltern hast du früh eine besondere Förderung erhalten. Welche Unterstützung war noch wichtig auf deinem Weg in den Profisport?
Neben Eltern und Familie ist es ganz klar die Unterstützung meiner Trainer, die an mich geglaubt und unterstützt haben.
Welche Rolle hat dein Studium in den USA und die damit verbundenen Trainingsmöglichkeiten für deine Karriere gespielt?
Mein Studium in den USA war für meine Entwicklung rückblickend der richtige Schritt. Die täglichen Trainingsmöglichkeiten, die Coaches und die vielen Wettkämpfe haben mich auf den Schritt Richtung Profikarriere gut vorbereitet.
Wenn du Meilensteine deiner Entwicklung aufzählen solltest, welche wären das?
Ganz klar die beiden Siege bei den Europameisterschaften als Amateur, aber die Silver Medal bei der Open Championship 2021 als bester Amateur war natürlich ein echtes Highlight. Neben dem damaligen Sieger Colin Morikawa auf dem Grün zu stehen, war unglaublich. Dann sicher auch 2021 der Titel „Rookie of the Year“ der DPWT und die relativ schnelle Spielberechtigung für die PGA Tour. Dann der 2. Platz bei der Charles Schwab Challenge, der mich maßgeblich in mein erstes FedEx Play-off gebracht hat. Und ganz sicher der 4. Platz beim PGA Championship – das hat mir gezeigt, dass ich ganz oben mitspielen kann. Damit habe ich mir auch einen Startplatz bei der Masters im nächsten Jahr gesichert. Kein schlechter Extrabonus, der sicher ein weiterer Meilenstein werden wird.
„Rugby ist in Deutschland noch lange nicht ausgereizt“
DOSB: Felix, bei deiner Vorstellung Ende April lobte euer Verbandsvorstand Werner Cromm deine mehrjährige Führungstätigkeit im Sportmanagement, deine internationale Erfahrung und dein tiefes Verständnis für die Anforderungen im Leistungssport. Woher nimmt ein 29-Jähriger all diese Fähigkeiten?
Felix Lammers: Ich habe in meiner Karriere schon früh einen dualen Ansatz verfolgt. Als 19-Jähriger bin ich an die Rugby-Akademie nach Heidelberg gegangen, habe dies aber mit einem Studium des BWL-Dienstleistungsmanagements mit Vertiefung in Sportmanagement verbunden. Während des Studiums habe ich angefangen, beim Golf Club St. Leon-Rot zu arbeiten, in einer Phase, als dort das Nachwuchsleistungszentrum samt Internat aufgebaut wurde. Ich war dort zunächst als Assistent der Geschäftsführung, dann als Leistungssportkoordinator und später in der Leitung tätig. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Gleichzeitig habe ich meine sportliche Karriere verfolgt, war vor meinem Studium ein Jahr in Neuseeland, habe die deutsche Nationalmannschaft nun viele Jahre auf dem Platz repräsentieren dürfen und auch dadurch unheimlich viel gelernt. Als dann nach meinem Karriereende die Chance kam, als Sportdirektor für die 7er-Variante hauptberuflich im Rugby tätig zu sein, bin ich meinem Herzen gefolgt und in meine Kernsportart zurückgekehrt.
Warum hast du mit 29 entschieden, deine Karriere zu beenden und die Funktionärsschiene zu fahren?
Ich habe schon länger gewusst, dass ich mich nun mehr auf meine berufliche Karriere konzentrieren möchte. Ich brauche einen klaren Fokus, denn es ist eine große Aufgabe, das deutsche Rugby in die Zukunft zu führen. Im März habe ich mir in meinem letzten Länderspiel eine Verletzung zugezogen, bin aber zum Bundesligafinale zum Glück fit geworden, so dass ich dieses zum Abschied von meinem Verein SC Neuenheim noch absolvieren durfte. Nun habe ich meine sportliche Karriere abgeschlossen und starte mit viel Elan in die neue Aufgabe.
Du hast zur Amtsübernahme eine interne Analyse der Ressourcen und Prozesse angekündigt. Welche Ergebnisse dieser Analyse kannst du extern teilen?
Ich bin ja offiziell gerade einen Monat im Amt, die Analyse ist deshalb noch nicht abgeschlossen. Als ein Hauptthema haben wir allerdings identifiziert, dass wir mehr externe Unterstützung für unser System benötigen. Wir haben mit dem DOSB, dem Bundeskanzleramt, der Bundeswehr und unseren aktuellen Sponsoren starke Partner, aber wir benötigen neue Einnahmequellen, um unsere Ziele erreichen zu können. Wir haben ein Produkt, in das es sich zu investieren lohnt, und damit können wir selbstbewusst nach außen auftreten. Das muss ein prioritäres Thema sein, das es bislang nicht war.
Rugby ist weltweit sehr beliebt, in Deutschland wächst die Zahl der Fans dank der Übertragungen von internationalen Topturnieren durch ProSieben Sat.1 ebenfalls. Warum aber ist der Sport hierzulande weiterhin so stark in der Nische, während er in vergleichbaren Nationen boomt?
Das liegt in der Historie begründet. Vergleichbare Nationen wie Frankreich, England, Irland oder Italien haben eine deutlich stärkere Bindung an Rugby, was sicherlich auch daran liegt, dass sie darin entsprechende Erfolge feiern konnten. In Deutschland sind andere Sportarten wie Handball, Basketball oder Eishockey deutlich beliebter, weil sie mehr herausragende Erfolge und Athleten vorweisen können, vom Fußball natürlich ganz zu schweigen. Ich bin aber überzeugt davon, dass Rugby in Deutschland noch lange nicht ausgereizt ist. Wir haben ein einzigartiges Wertesystem und geben jedem Menschen ungeachtet seiner körperlichen Voraussetzungen eine Perspektive. Das müssen wir deutlicher herausstreichen, um mehr Menschen vom Rugby zu überzeugen und so stärker aufs Radar zu kommen.
Wie könnte Rugby in Deutschland einen ähnlichen Hype erleben, wie ihn der American Football dank der NFL erlebt?
Die beiden Sportarten werden häufig verglichen, weil sie sich als Kollisionssportarten in ihrer Ausprägung ähneln. Tatsächlich hinkt der Vergleich aber, weil die NFL ein Ausnahmestanding hat, das weltweit seinesgleichen sucht. Die Impulse kommen zu großen Teilen aus den USA in den deutschen Markt. Die Übertragungen von RTL treffen aber den Zeitgeist, und ich bin froh darüber, dass unser TV-Partner ProSieben so viele internationale Topevents überträgt, was auch im deutschen Sportpublikum Anklang findet. Wir können uns das, was die NFL mit ihrem Produkt in Deutschland macht, nicht komplett abschauen, aber Teile davon übernehmen. Wir wollen aber unseren Sport an der Wurzel in Deutschland stärken, unsere Erfolge besser herausarbeiten und unseren Platz in der deutschen Sportlandschaft erkämpfen.
Du hast es angedeutet: Rugby gilt als Musterbeispiel für Fair Play, aber auch als sehr gesundheitsgefährdender Kollisionssport. Wie gelingt es euch, diese beiden Pole zusammenzuführen, um mehr Menschen für Rugby zu begeistern?
Das Wertegerüst im Rugby ist ein Alleinstellungsmerkmal, das nach Aufmerksamkeit schreit. Jeder, der zum ersten Mal ein Rugbyspiel sieht, ist begeistert davon, wie fair der Umgang zwischen den Spielern und wie respektvoll die Behandlung der Schiedsrichter ist. Da können wir ansetzen. Auch Kontaktsport ist in Deutschland grundsätzlich sehr beliebt. Die Verletzungsgefahr bei einem so harten Sport wie Rugby ist nicht wegzudiskutieren, aber wir gehen damit sehr offen um und treffen viele Maßnahmen, um sie zu minimieren. Gerade in puncto Kopfverletzungen sind wir sehr fortschrittlich. Es gibt beispielsweise einen Zahnschutz, der die Intensität von Kopfstößen misst und warnt, wenn die Werte in den kritischen Bereich kommen. Auch beim Thema Tackles gegen empfindliche Körperstellen handeln wir proaktiv, und das ist wichtig, damit Rugby so sicher wie möglich gespielt werden kann. Und zur Wahrheit gehört auch, dass Verletzungsgefahr überall im Sport ein Thema ist.
Du blickst gern über den deutschen Tellerrand hinaus. Wie fließt deine Auslandserfahrung in dein Tun ein, welche internationalen Einflüsse sind für deine Arbeit besonders prägend?
Mein Auslandsjahr in Neuseeland hat mich in Bezug auf meine Leidenschaft für Rugby stark geprägt. Ich war ein klassisches Fußballkind, bin erst mit 16 zum Rugby gekommen. Meine Begeisterung ist in Neuseeland, wo unser Sport ein Kulturgut ist, erst richtig entflammt. Natürlich können wir uns weltweit einiges abschauen, aus Neuseeland zum Beispiel das Wettkampfsystem, aus Frankreich das Ausbildungssystem mit Fokus auf Akademien. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir in Deutschland nicht immer das Rad komplett neu erfinden müssen. Keins der Systeme, die es in anderen Ländern gibt, sollten wir komplett kopieren. Wir müssen unser eigenes Bild zeichnen. Dazu gehört, dass man immer auf dem Laufenden bleibt, was in der Welt so passiert, aber auch die eigenen Stärken im Blick behält.
Sprechen wir über das anstehende Großereignis, die 7er-EM der Frauen und Männer in Hamburg am Wochenende. Welche Bedeutung hat ein solches Turnier für den Rugbysport in Deutschland?
Es ist immens wichtig für uns, es ist eines unserer Leuchtturmprojekte. 7er-Rugby ist weltweit bedeutsam, das heißt aber, dass unsere Teams auch global unterwegs sind und wir nicht viele Plattformen im eigenen Land haben, um uns zu präsentieren. In Hamburg, wo wir mittlerweile im vierten Jahr mit dem EM-Turnier zu Gast sind, können wir mit viel Nahbarkeit das Netz mit Partnern und Fans weiterknüpfen, aber auch Werbung für das Format und unseren Sport im Allgemeinen machen. Und nicht zuletzt ist es für unsere Spielerinnen und Spieler natürlich ein Traum und etwas sehr Besonderes, vor ganz vielen Freunden und Familienmitgliedern spielen zu können. Diese Chance haben sie auch nur selten.
Klaus Steinbach: Ein Leben für den Sport
Es braucht nur wenige Minuten des Gesprächs, um zu verstehen, welchen Wert dieser Mann in das Gremium der Persönlichen Mitglieder einbringen kann. Die Einstiegsfrage war gewesen, was ihn im Alter von 72 Jahren noch immer motiviere, sich unermüdlich für den deutschen Sport zu engagieren. Aber schnell wird klar, dass Klaus Steinbach Fragen maximal als Stichwortgabe ansieht. In einer Gedankenschnelle, die viele 20-Jährige überfordern würde, ist er in die Tiefen und Untiefen der deutschen Sportpolitik eingetaucht. Launig und spannend erzählt er von den Bewerbungsprozessen um Olympische Spiele, die er in seinen Ämtern im Nationalen Olympischen Komitee (NOK) mitgestaltet hat, von seinen Erfolgen als aktiver Leistungssportler und was diese ihm für das Berufsleben mitgegeben haben. Und mit jeder weiteren Minute schärft sich das Bild eines Mannes, der mitgestalten möchte, weil er so vieles zu geben hat. Aber ohne sich dafür anbiedern zu müssen.
„Mir wird ganz bestimmt nicht langweilig“, sagt er mit Blick auf seine Posten im Aufsichtsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe, die ihn 2018 in die Hall of Fame des deutschen Sports aufnahm, und als Vorstand der Sportstiftung des Saarlands, wo er seit vielen Jahren in Lebach lebt. Dass er die Zusammenarbeit im Gremium in der im Dezember ablaufenden Legislaturperiode als „sehr wenig und sehr sporadisch“ empfunden hat, trifft die Beobachtung, die auch andere Persönliche Mitglieder geschildert haben. Zumindest in seinem Fall liege das daran, dass er sich nicht aufdrängen wolle. „Ich glaube, ein Persönliches Mitglied erwartet, dass es gefragt wird, wenn es sich konkret einbringen soll. Es entspricht nicht meinem Stil, von außen als Besserwisser hineinzugrätschen. Aber wenn ich gefragt werde, bin ich immer bereit, meinen Rat dort zu geben, wo es einen Sinn und Mehrwert ergibt“, sagt er.
64 deutsche und acht Weltrekorde schwamm Klaus Steinbach
Zweifelsohne gäbe es ausreichend Anlässe, Klaus Steinbach zu kontaktieren, schließlich kann der aus Kleve am Niederrhein stammende Sportenthusiast aus drei unterschiedlichen Perspektiven auf das aktuelle Geschehen schauen. Die erste Perspektive ist die des ehemaligen Leistungssportlers, der 1972 bei den Olympischen Heimspielen in München Silber mit der 4x200-Meter-Freistilstaffel gewann. 1975 kam über dieselbe Distanz WM-Gold dazu. Die Sprintstrecken im Kraul waren seine Paradedisziplin, aber auch in Rückenlage war er oft nicht zu bezwingen. Insgesamt fünf EM-Titel, 25 nationale Meistertitel, 64 deutsche, neun Europa- und acht Weltrekorde hatte Steinbach, der als erster Mensch die 100 Meter Freistil auf einer 25-Meter-Bahn unter 50 Sekunden absolvierte, bis zu seinem vom Boykott der Sommerspiele 1980 in Moskau beeinträchtigten Karriereende angehäuft.
„Ich bin als 15-Jähriger an das erste deutsche Sportinternat in Saarbrücken, die DSV-Schule „Max Ritter“, gegangen und habe es absolut genossen, alles für meinen Sport investieren zu können“, sagt er. Aus dieser Zeit habe er mitgenommen, wie wichtig es ist, die Athletinnen und Athleten im Sportsystem an die erste Stelle zu setzen. „Sie sind die goldene Spitze der Pyramide“, sagt er. Aus diesem Grund habe er sich auch so intensiv im Gutachterausschuss und im Aufsichtsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe eingebracht. „Mir ist es sehr wichtig, dass wir uns intensiv darum kümmern, dass sich unsere Besten auf ihre sportliche und berufliche Karriere gleichermaßen voll konzentrieren können“, sagt er.
Dreimal war er Chef de Mission bei Olympischen Spielen
Der Weg in die Funktionärslaufbahn, die die zweite Perspektive darstellt, wurde Klaus Steinbach im Jahr 1981, kurz nach dem Ende der aktiven Karriere, geebnet. Auf Vorschlag von Willi Daume, dem mächtigsten Sportfunktionär in der deutschen Nachkriegsgeschichte, wurde ihm in Paris der Fair-Play-Preis der Unesco verliehen, aus den Händen der französischen Tennislegende Jean Borotra. „Ich wurde dadurch Persönliches Mitglied im NOK und bin damit wohl das dienstälteste Mitglied dieses Gremiums“, sagt er. Bei den Sommerspielen 2000 und 2004 und den Winterspielen 2006 führte Klaus Steinbach die deutsche Mannschaft als Chef de Mission an; 2002 war er bis zur Fusion von NOK und Deutschem Sportbund (DSB) zum DOSB im Mai 2006 NOK-Präsident.
„Das waren wirklich hochspannende Zeiten. 2003 war ich Mitglied der Evaluierungskommission für unsere Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer Spiele 2012. Wir hatten zwar Hamburg an erste Position gesetzt, aber dann wurde Leipzig gewählt. Deren Konzept enthielt viele Elemente, die heute gute Erfolgsaussichten hätten, wie die Nutzung bestehender Sportstätten und alternative Unterbringungsmöglichkeiten für die olympische Familie, aber auch die große Kompaktheit. Wir waren damit allerdings der Zeit voraus, im IOC hatte Leipzig wegen seiner geringen Größe aber leider wenig Chancen. Das tat damals sehr weh, aber man lernt daraus“, erinnert er sich.
Maccabiah in Kriegszeiten: Resilienz ist die wichtigste Fähigkeit
Mit wem man auch spricht dieser Tage über die anstehende Maccabiah, die Weltspiele für jüdische Sportler*innen, ein Wort fällt immer: Resilienz. Diese Fähigkeit, Krisen, Schicksalsschläge oder extreme Belastungen zu bewältigen und ohne dauerhafte Beeinträchtigung in das eigene seelische Gleichgewicht zurückzufinden, scheint in diesem besonderen Jahr der Austragung unerlässlich für alle Teilnehmenden zu sein. Die 22. Auflage, die wegen der schwierigen politischen Gesamtlage vom vergangenen auf dieses Jahr verschoben werden musste, steht weiterhin unter dem Motto „More than ever“, was das Grundverständnis dieses Großevents ausdrücken soll. Jetzt erst recht, und auch unter dem Eindruck des schwelenden Konflikts mit dem Iran, sollen Jüdinnen und Juden von diesem Dienstag an bis zum 14. Juli zusammenkommen, um bei größtmöglicher Sicherheit friedlich in den sportlichen Wettstreit zu treten.
In normalen Jahren sind es rund 10.000 Athlet*innen, die an der seit 1932 im Vierjahresturnus ausgetragenen Maccabiah teilnehmen. In diesem Jahr haben sich mehr als 5.000 Aktive aus 66 Nationen angekündigt, um in 32 Sportarten um Medaillen zu kämpfen. Makkabi Deutschland, nationaler Dachverband mit mehr als 8.000 Mitgliedern in 40 bundesweiten Ortsvereinen und Mitgliedsorganisation des DOSB, reist am 30. Juni mit einer aus 170 Personen bestehenden Delegation aus Duisburg, wo über dieses Wochenende das Pre-Camp stattfindet, nach Tel Aviv. Rund 120 davon sind Athlet*innen. Damit stellt Deutschland die größte Delegation Europas, was Alfred Goldenberg ganz besonders freut. „Das ist ein tolles Zeichen, das wir damit setzen können“, sagt der 46 Jahre alte Berliner, der im Präsidium von Makkabi Deutschland für den Sport zuständig ist und als Head of Delegation fungiert.
Der wichtigste Unterschied zu 2025, als die Veranstaltung wenige Wochen vor dem geplanten Start verschoben werden musste, sei die veränderte Sicherheitslage. „Der israelische Luftraum ist geöffnet, es gibt genug Airlines, die das Land anfliegen, und das ist für die Logistik fundamental wichtig“, sagt Goldenberg. Der Gaza-Krieg sei faktisch beendet, der Überfall der Hamas vom 7. Oktober 2023 ein weiteres Jahr her, die letzten Geiseln sind freigelassen worden. Dazu müsse man die grundsätzliche Einstellung der Israelis kennen. „Die Menschen dort sind es gewohnt, im Kriegszustand zu leben. Das Land war seit seiner Gründung 1948 nie befriedet, das Leben musste aber trotzdem immer weitergehen. Also hat die Bevölkerung gelernt, damit umzugehen“, sagt er.




