Neues aus Sportdeutschland

„Integration braucht Räume, Vertrauen und Perspektiven“

Mit unserer IdS-Interviewreihe geben wir 2026 den Menschen eine Stimme, die „Integration durch Sport“ täglich mit Leben füllen - und zeigen, warum das Bundesprogramm für den organisierten Sport und unsere Gesellschaft unverzichtbar ist. Teil 2 mit Kristjana Schultchen, Programmleitung für das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ im Hamburger Sportbund.

DOSB: Welche Rolle haben die Programmleitungen im Bundesprogramm „Integration durch Sport“? 

Kristjana Schultchen: Die Programmleitungen sind das verbindende Element zwischen der bundesweiten Strategie des Programms und der konkreten Umsetzung in den Bundesländern. Unsere Aufgabe ist es, die strategische Ausrichtung zu sichern, Entwicklungen zu steuern und Integrationsarbeit im Breitensport langfristig strukturell zu verankern. Wir schaffen dafür passende Rahmenbedingungen, analysieren Bedarfe, entwickeln Förderlogiken weiter und bauen strategische Kooperationen auf.

Gleichzeitig vertreten wir das Programm gegenüber Politik, Verwaltung und zivilgesellschaftlichen Partner*innen und machen sichtbar, welchen Beitrag der organisierte Sport für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gleichberechtigte Teilhabe leistet.

Was sind die zentralen Schwerpunkte deiner Arbeit?

In meiner Arbeit geht es darum, den organisierten Sport in Hamburg dabei zu unterstützen, mit gesellschaftlichen Veränderungen Schritt zu halten und Teilhabe für möglichst viele Menschen zu ermöglichen. Ein Schwerpunkt liegt aktuell darauf, die Rolle und Leistungen von IdS in Hamburg klar zu positionieren. In einem Umfeld, das von sozialen Ungleichheiten, migrationspolitischen Debatten und zunehmender Polarisierung geprägt ist, ist es wichtig, den konkreten Beitrag des Sports zu Teilhabe, Zusammenhalt und demokratischer Kultur deutlich zu machen. Integration kann nur nachhaltig wirken, wenn die realen Herausforderungen der Vereine berücksichtigt werden. Viele stehen unter Druck - durch begrenzte Ressourcen, veränderte Ehrenamtsstrukturen und steigende soziale Anforderungen. Programmarbeit muss deshalb so gestaltet sein, dass sie für Vereine anschlussfähig bleibt und sie strukturell stärkt. Ziel ist es, Integration nicht nur über einzelne Angebote umzusetzen, sondern dauerhaft in Vereinsstrukturen zu verankern.

Gibt es regionale Unterschiede, wie „Integration durch Sport“ umgesetzt wird und falls ja, welche?

Ja. Das Programm verfolgt gemeinsame Ziele, ist aber bewusst so angelegt, dass es an unterschiedliche Realitäten angepasst werden kann. Hamburg ist stark sozialräumlich geprägt. Einkommensarmut und eingeschränkte Teilhabe konzentrieren sich auf bestimmte Quartiere - das zeigt sich auch im Sport.

Vereine in benachteiligten Stadtteilen stehen häufiger unter Druck, etwa durch Überlastung im Ehrenamt oder fehlende Ressourcen. Gleichzeitig haben sie eine besonders wichtige stabilisierende Funktion für Begegnung und Engagement. Unsere Programmarbeit setzt deshalb gezielt dort an, wo Unterstützung benötigt wird. Diese lokale Anpassungsfähigkeit ist eine zentrale Stärke des Programms.

Miriam Welte wird DOA-Vorsitzende

Nachdem die langjährige Vorsitzende der Deutschen Olympischen Akademie (DOA), Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, im vergangenen Jahr ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hat, ist ihre Nachfolge geklärt: Miriam Welte, Bahnrad-Olympiasiegerin in London 2012 und Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), übernimmt mit sofortiger Wirkung den Vorsitz der Bildungseinrichtung im Haus des Sports in Frankfurt.

Mehr Frauen in Führung. Ich committe mich.

Damit der Sport auch morgen kraftvoll und zukunftsfähig bleibt, braucht er vielfältige Perspektiven dort, wo Entscheidungen getroffen werden. Mehr Frauen in Führung ist kein Symbolthema. Es ist ein klares Bekenntnis zu Qualität, zu moderner Governance und zu nachhaltigem Wachstum. Studien zeigen: Teams mit vielfältiger Besetzung entscheiden differenzierter, agieren resilienter und entwickeln Organisationen erfolgreicher weiter. 

Team D Paralympics vor dem Start in Mailand Cortina 2026

Insgesamt reisen 40 Sportler*innen und acht Guides als Team Deutschland Paralympics nach Italien. Damit wird es die zweitgrößte deutsche Mannschaft in der Geschichte der Paralympics sein - nur in Lillehammer 1994 waren noch drei Athlet*innen mehr dabei. Hinzu kommen 49 Personen aus dem Funktionsteam. 

Insgesamt werden sich etwa 650 Athlet*innen aus der ganzen Welt in sechs verschiedenen Sportarten messen: Para Eishockey, Para Biathlon, Para Skilanglauf, Para Ski alpin, Para Snowboard und Rollstuhlcurling. Seit 20 Jahren konnten sich die deutsche Para Eishockey-Nationalmannschaft wieder für die Paralympischen Spiele qualifizieren. Erstmalig wird es beim Rollstuhlcurling auch einen Wettbewerb im Mixed Double geben. Die Athlet*innen des Team D Paralympics treten bis auf Rollstuhlcurling in allen Wettbewerben an.

Paralympische Spiele im TV und Streaming

ARD und ZDF werden umfassend von den Paralympics berichten. ARD zeigt am 11. März (14.00 - 17.00 Uhr) und 13. März (9.00 - 15.00 Uhr) die Wettkämpfe live im linearen Fernsehen, dazu sind die Paralympics am 12. und 14. März in die Wintersport-Berichterstattung des Senders eingebunden. Darüber hinaus berichtet Eurosport erstmalig von den Paralympics und zeigt täglich Highlights der Wettkämpfe auf seinem TV-Sender und im Streaming.

Deutsches Haus in Cortina d' Ampezzo 

Auch die Athlet*innen des Team D Paralympics können ihre Erfolge im Deutschen Haus in Cortina feiern. Das Deutsche Haus wird außerdem wieder Treffpunkt für Vertreter*innen aus Sport, Wirtschaft, Medien, Gesellschaft und Politik sein.

Besonderes Jubiläum

In den italienischen Alpen feiern die Paralympics ihr 50. Jubiläum. Die erste Ausgabe fand 1976 im schwedischen Örnsköldsvik statt. 

Die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zum Team gibt es hier.

„Integration passiert nicht von allein“

Mit unserer IdS-Interviewreihe geben wir 2026 den Menschen eine Stimme, die „Integration durch Sport“ täglich mit Leben füllen – und zeigen, warum das Bundesprogramm für den organisierten Sport und unsere Gesellschaft unverzichtbar ist. Teil 1 mit Muhammad-Fuzael Ul-Hassan, Referent für das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ beim Stadtsportbund Bielefeld.

DOSB: Wie bist du allgemein zum Sport gekommen? 

Muhammad-Fuzael Ul-Hassan: In meiner Familie hat Sport keine sehr lange Geschichte. Und doch findet sie sich an einigen Stellen. Meine Eltern kommen aus Pakistan, dort gibt es keine klassische Vereinslandschaft, wie wir sie hier kennen. Als mein Vater nach Deutschland kam, war er Mitbegründer des ersten Pool-Billard-Clubs in Minden. Er war auch der Grund, warum ich mit sieben Jahren in einen Fußballverein gekommen bin. Das war gar nicht meine Idee. Mein Vater meinte einfach: „Sport ist wichtig, ich möchte, dass du da hingehst.“ Und irgendwann habe ich gemerkt: Sport liegt mir. In der fünften Klasse habe ich zusätzlich mit Leichtathletik angefangen und darin später auch als Trainer gearbeitet. Spätestens da wurde mir klar, dass Sport für mich ein großes Thema ist. Sport ist bis heute ein elementarer Bestandteil meines Alltags. Also ja: Sporterfahrung bringe ich auf vielen Ebenen mit.

Wie kam dann der Sprung zum Bundesprogramm „Integration durch Sport“?

Es ist tatsächlich ein glücklicher Zufall, dass mir die Stelle bei „Integration durch Sport“ angeboten wurde. Ich habe vorher in der freien Wirtschaft gearbeitet und hätte nicht erwartet, noch während des Studiums im gemeinwohlorientierten Sportbereich zu landen. Es war vor allem ein super Einstieg, weil das Thema genau meinem Interesse entspricht: Soziale Ungleichheit, Nachhaltigkeit, Unterrepräsentanz verschiedener Personengruppen, Kommunikation oder Systemtheorie im Sport waren schon große Bestandteile meines Studiums. Sportsoziologie und -management waren die Schwerpunkte. Auch das Bundesprogramm war an verschiedenen Stellen Inhalt des Studiums. Insofern lag „Integration durch Sport“ schon immer irgendwie nah für mich.

Viele stellen sich unter einem Referentenjob vor, dass man den ganzen Tag nur am PC sitzt und E-Mails schreibt. Wie sieht dein Arbeitsalltag bei IdS wirklich aus?

Ich habe keine starre Arbeitswoche. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, mit Sportvereinen oder deren Vertreter*innen im Austausch zu sein. Besonders in der Stützpunktförderung begleiten wir die Vereine: Wir sprechen darüber, welche Maßnahmen geplant sind, welche Ideen sie haben, und ich setze das dann verwaltungstechnisch um. Aber das ist nur die eine Seite. Uns beschäftigt vor allem die Frage: Was können wir gemeinsam im Verein tun, damit Integration, Inklusion und Vielfalt wirklich gelebt werden? In Bielefeld haben wir aktuell vier Stützpunktvereine mit sehr unterschiedlichen Profilen. Zwei sind klassische Traditionsvereine. Dann gibt es den MCH Futsal-Club Bielefeld, der aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit hervorgegangen ist. Und wir haben einen für IdS eher ungewöhnlichen Verein dabei: den Bielefelder Golfclub. Manche fragen sich: „Warum unterstützen wir einen hoch privilegierten Verein in einer weiß-dominierten Sportart?“ Aber genau das finde ich spannend. Ich möchte bewusst in Räume gehen, in denen Menschen mit internationaler Geschichte oder BPoC unterrepräsentiert sind.

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